Buchveröffentlichung: Strich durch die Rechnung

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Ein film- und radsporthistorisches Buch über den Film Strich durch die Rechnung, einen verschollenen Kassenschlager der 30er Jahre, veröffentlicht von Lars Amenda.

1931. Die Weltwirtschaftskrise war noch nicht überwunden, die noch junge Demokratie der Weimarer Republik nicht gefestigt. Der Fußball hatte den Radsport als Massenphänomen überflügelt – so wie der Tonfilm den Stummfilm. Ausgebildete Theaterschauspieler wie Heinz Rühmann hatten in wenigen Jahren die alten Helden des Stummfilms abgelöst und konnten einen mehr oder weniger bescheidenen Wohlstand genießen. Rühmann, der mit seiner jugendlichen Art den Nerv des Publikums traf, verdiente mit seinen Filmen bereits so viel Geld, dass er sich nicht nur ein Motorrad und ein Auto, sondern auch ein Privatflugzeug leisten konnte.

Trotz der nachlassenden Popularität des Radsports entschied sich die Berliner Produktionsgesellschaft Universum Film AG (UFA) dafür, eine Theatervorlage über ein „geschobenes“ Radrennen zu verfilmen. Anders als in der Vorlage spielte der Film im Berliner Steher-Milieu – mit den schweren und lauten Motorrädern und den hohen Geschwindigkeiten ein geeigneter Hintergrund für einen „modernen“ Tonfilm.

Heinz Rühmann, der die Rolle des gewitzten Underdogs verkörperte wie kein Anderer, war die erste Wahl für die Hauptrolle, die Radrennbahn in Forst die (nicht ganz so naheliegende) Location. Ob es an Terminproblemen oder an filmischen / dramaturgischen Ursachen lag, ist nicht klar. Die Berliner Radrennbahnen wurden jedenfalls als Drehort verworfen und die Kleinstadt in der Lausitz wurde für einige Wochen zu einem cineastischen Hotspot.

Quelle: Sammlung Hans-Joachim Schulz

Um Filme auch international vermarkten zu können, war es damals an der Tagesordnung, mehrere Fassungen in unterschiedlichen Sprachen gleichzeitig zu erstellen. So auch in diesem Fall: mit dem französischen Schauspieler (und Radsportler) Albert Préjean sollte der Film unter dem Titel „Riveaux de la Piste“ in die Kinos Frankreichs kommen.
Da Heinz Rühmann zwar fliegen, aber nicht wirklich Rad fahren konnte, musste er nach wenigen Drehtagen (und einem schweren Sturz nach Kontakt mit der Schrittmachermaschine) gedoubelt werden. Auf seinen Wunsch hin übernahm Albert Préjean die Rolle seines Doubles.

Rühmann (l.) und Préjean (r.) während der Dreharbeiten. Quelle: Illustrierter Radrenn-Sport 1932

Dem Erfolg des Films tat dies keinen Abbruch. Die deutsche Fassung wurde von der Kritik hoch gelobt und scheint auch an den Kinokassen sehr erfolgreich gewesen zu sein. Selbst in den USA gab es anerkennende Kritiken. Auch die französische Version wurde in mehreren Ländern (u.a. Belgien und Spanien) aufgeführt.

Dennoch geriet dieser Film – anders als zum Beispiel „Quax, der Bruchpilot“, ebenfalls von der UFA mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle – in Vergessenheit. Die einzige nachweisbar noch existierende Kopie wurde erst kürzlich in Moskau wiederentdeckt und fast 90 Jahre nach der Uraufführung im Oktober 2020 in Forst erneut aufgeführt. Die französische Version gilt hingegen als verschollen.

Quelle: Illustrierter Radrenn-Sport 1932

Lars Amenda, Historiker und Vorsitzender des Altonaer Bicycle Clubs (ABC), begab sich noch vor der Wiederaufführung von Strich durch die Rechnung auf die Spuren des verschollenen Films. Anhand zeigenössischer Quellen rekonstruierte er die Geschichte des Films und der Bedeutung dieses großen Projektes für die Stadt Forst.
Ein Film aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts – entstanden zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtergreifung – sowie dessen Vorlage kann nicht ohne die Berücksichtigung der politischen und sozialen Geschehnisse eingeordnet werden. Ein Heimspiel für einen promovierten Historiker – trotzdem gerät dieser Abschnitt zu den schwächeren des Buches: anders als bei der Schilderung der Dreharbeiten bleibt hier naturgemäß wenig Spielraum für stimmungsvolle Schilderungen. Auch Rühmanns Rolle im Nationalsozialismus bleibt nicht unerwähnt. Amenda vermeidet es klugerweise, sich hierin zu verbeißen. Wer hierzu mehr wissen möchte: Im Web wie in der im Buch akribisch aufgeführten Printliteratur gibt es hierzu bereits diverse Quellen.

Richtig in Fahrt kommt das Buch mit den anschaulichen Berichten über die Dreharbeiten und die vielen kleinen Nebenschauplätze, die das Filmteam für eine gewisse Zeit zu einem Teil des Lebens der Stadt in der Lausitz werden ließ. Die Illustrierung mit vielen Fotos aus der Geschichte der Forster Radrennbahn und von den Dreharbeiten machen dieses lokale Ereignis wieder erlebbar.

Da einige nationale und internationale Radsportler bei dem Film mitwirkten, ist er auch als Radsportfilm von Interesse. Es ist zu hoffen, dass das Buch dazu beiträgt, dass dieser besondere Film auch außerhalb von Forst noch das eine oder andere Mal gezeigt werden kann.

Für Filmliebhaber und Radsportfans ist „Strich durch die Rechnung“ ein passendes Weihnachtsgeschenk – das allerdings eine schmerzliche Lücke hinterlässt, solange der Film nicht wieder öffentlich aufgeführt werden sollte.

TitelStrich durch die Rechnung.
Der Ufa-Film mit Heinz Rühmann
und die Radrennbahn Forst (Lausitz)
AutorLars Amenda
ISBN978-3-949139-00-0
Seiten111
Format17×24 cm
AusstattungHardcover

Erschienen ist das Buch im Rahmen als Band 1 der Reihe Velodrom. Schriften zur Fahrrad- und Radsportgeschichte. Mehr Infos: https://nfg.hypotheses.org/1340

Bezogen werden kann das Buch z. B. über den Versand No Rock Just Roll.

Vielen Dank an Lars Amenda und Frank Henschel für die Überlassung der hier gezeigten Fotografien!

Hinweis zur Kennzeichnung als „Werbung“
Ich habe das Rezensionsexemplar beim Herausgeber kostenpflichtig erworben. Da auch eine Rezension einen werbenden Charakter hat, kennzeichne ich diesen Artikel als Werbung.

101 Dinge, die ein Fahrrad-Fan wissen muss

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Andrea Reidl, als Herausgeberin des Radblogs Velophil auf Zeit online einem größeren Publikum bekannt geworden, hat sich an eine schwere Aufgabe gemacht. In der Reihe „101 Dinge“ des GeraMond-Verlages musste sie (ja, genau!) 101 Dinge zusammentragen, die zum Radfahren interessant oder gar wichtig sein könnten.

Abbildung einer Draisine mit Fahrer. Urheber: Wilhelm Siegrist (1797-1843?) [Public domain], via Wikimedia Commons

Womit fängt man (frau) an – rund 200 Jahre nach der Erfindung des Fahrrades? Da gibt es nur eine Antwort: mit Karl Freiherr von Drais und seinem Laufrad: „Endlich mobil“.

Und womit hört sie auf? Man könnte nun vermuten, dass hier ein besonderer Schlusspunkt gesetzt wird – ein so übermäßig konstruierter Spannungsbogen ist von diesem Buch jedoch nicht zu erwarten. Das 101ste „Ding“ ist aber doch etwas, das tatsächlich irgendwie am (aktuellen) Ende der Entwicklung steht – das Triathlonrad.

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Werbung im BikeBlogBerlin?

Ja. Werbung. Und nein: keine Werbung. Jedenfalls nicht, wenn ich meine früheren Maßstäbe für Werbung heranziehe. Immer wieder erhalte ich Anfragen von Agenturen und Firmen, sie fänden meine Seite richtig gut und informativ – sie würden daher gern „maßgeschneiderte“ Texte auf der Seit platzieren. Im Gegenzug würde ich natürlich Geld dafür erhalten. Immer wieder sage ich solche Anfragen ab – oder verschiebe sie gleich in den Spam. Glücklicherweise kann ich den Blog selber finanzieren. Affiliate-Links oder bezahlte Werbung gab es hier nie und wird es in absehbarer Zeit auch nicht geben (aber: sag niemals nie).

Werbung oder Berichterstattung? Im Bild Margaux Vigie beim RadRace in Berlin 2018.

Dennoch kennzeichne ich bestimmte Artikel als [Werbung]. Weshalb? Die Betrachtungsweise von Werbung hat sich mittlerweile gewandelt.

Ein paar Beispiele:

  1. Eine Firma sendet ungefragt Werbeartikel an Blogger. Zufällig passt der Artikel zum Thema des Blogs, also wird getestet und der Artikel besprochen. Natürlich mit Link etc. Ziel erreicht: die Firma ist im Gespräch. Ist das Werbung? Der Blogger erhält außer dem Testprodukt (das zurückgeschickt werden muss aber auch schon mal behalten werden darf) keine Gegenleistung. Um sicherzugehen deklariere ich entsprechende Tests seit diesem Jahr als Werbung.
  2. Ich kaufe mir neues Fahrradzubehör und bin schwer begeistert. Natürlich wird darüber gebloggt. Ist das Werbung? Hier streiten sich die Experten. Auch hier füge ich den Hinweis [Werbung] ein.
  3. Ich fotografiere auf verschiedenen (Sport-)Veranstaltungen. Einige davon sind Hobbyveranstaltungen, ohne kommerziellen Hintergrund organisiert, ohne Einnahmen etc. Die Berliner Polo-Meisterschaft ist ein gutes Beispiel. Andere, wie die meisten Jedermann-Radveranstaltungen wie der Velothon, das RadRace, die Mecklenburger Seenrunde, die Vätternrunde etc., werden mit mehr oder weniger klarer Gewinnabsicht veranstaltet. Hier wird es schwierig. Ein Blogartikel darüber kann neutrale Berichterstattung oder – abhängig von dem Grad der Begeisterung für dieses Event – auch schon mal Werbung sein. Ist auch noch ein kostenloser Pressestartplatz damit verbunden, dann wird die Grenze zur Werbung klar überschritten und ich kennzeichne den Artikel ebenfalls als [Werbung].

Ein paar nützliche Links zum Thema:

Der Blogger und der Datenschutz

Liebe Leser/innen, Nutzer/innen, Radsportler/innen,
leider macht die DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) uns „kleinen“ Bloggern und Fotografen zur Zeit das Leben recht schwer.

Foto: © Britta Münster / BikeBlogBerlin

Datenschutz ist ein hohes Gut und wohl Jede/r von uns ärgert sich häufig über Firmen und Institutionen, die mehr oder weniger ungefragt mit unseren Daten Geschäfte machen oder sie einfach nur „verschlusen“.
Dass die Europäische Union dem einen Riegel vorschieben wollte: Respekt.
Dass „die Großen“ wie Facebook und Google darüber nur müde lächeln: geschenkt.
Dass dieselben Regeln auch bei „uns Kleinen“ greifen sollen: nachvollziehbar, aber in der Praxis nur schwer umsetzbar.
Jede etwas größere Firma beschäftigt Juristen und Datenschutzbeauftragte, die sie über jeden Fallstrick informieren. Wir hingegen können uns dies in der Regel nicht leisten und müssen hoffen, uns aus dem Internet, aus Foren, gegenseitigen Gesprächen und mit Hilfe frei verfügbarer Tools die richtigen Erkenntnise ziehen zu können und den Datenschutzvorschriften nach bestem Wissen und Gewissen nachzukommen.
Besonders möchte ich in diesem Zusammenhang die Informationen und den Datenschutzgenerator von Rechtsanwalt Dr. Schwenke hervorheben. Ohne diese Hilfe wäre ich persönlich recht verloren gewesen. Weiterlesen

Sixdays Berlin 2018: Auf Speed

Soeben erschienen: der Spiegel Online-Artikel von Holger Dambeck mit einer Auswahl meiner Fotos von Peter Bäuerlein, Stefan Schäfer und den Steherrennen beim 107. Berliner Sechstagerennen.

Hier eine Auswahl der verwendeten Fotos: