Storck produziert Besi & Friends-Teamrad

Ab sofort gibt es nicht nur die Besi & Friends-Teambekleidung, sondern auch ein Besi & Friends-Teamrad! Basis ist das erprobte Storck Scenero, ausgestattet mit der mechanischen Shimano Ultegra.

Das Rad soll 2.400 € kosten. 100 € davon gehen direkt an die Nathalie Todenhöfer-Stiftung! Bestellen kann man das Besi & Friends-Teamrades bis zum 31.05.2017. Alle Details zu diesem Angebot gibt es auf der Facebook-Seite von Storck.

 

LIDL-Bike: gutes Angebot mit teurer Falle?

Kürzlich habe ich das neue Angebot der DB Rent, das LIDL-Bike getestet. Da ich bereits vor einigen Jahren in Hamburg ein Call-a-bike-Rad („StadtRAD Hamburg„) genutzt hatte, war ich bereits angemeldet. Die Nutzung des LIDL-Bikes war somit unproblematisch – neudeutsch „easy“. Da ich eine kleine Hürde beim Entriegeln des Rades hatte, nutzte ich gleich die telefonische Hotline. Der Mitarbeiter am anderen Ende war freundlich und kompetent – prima.

Erst nach Abschluss des Ausleihvorgangs habe ich mich um rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen gekümmert und die App auf mein Smartphone geladen. Dabei fiel mir auf, dass dort eine grüne Linie den Berliner Stadtkern kennzeichnet. Auf diese Linie wird auf der LIDL-Bike-Website nicht deutlich eingegangen. Erst im Preisverzeichnis findet man einen Hinweis auf ein „Kerngebiet“. Die Überraschung: das Abstellen des Rades in diesem Gebiet ist unverschämt teuer: 10 € werden hierfür fällig. Da am Rad keine Hinweise auf Kosten zu finden waren wollte ich von der Service-Hotline wissen, wie der Nutzer auf die Überschreitung dieser grünen Linie und die Folgen hingewiesen wird.

Hier meine Anfrage:

Sehr geehrte Damen und Herren, in der App ist ein Gebiet grün eingezeichnet. Auf der Website lidl-bike.de und in der App gibt es hierzu keine Informationen. Es scheint so zu sein, dass hiermit das Kerngebiet gemeint ist. Außerhalb des Kerngebietes soll das Abstellen gem. AGB (8.2 Außerhalbstandort) 10 € kosten. Darauf wird auf der Website – und an den Rädern – nicht hingewiesen. Meine Fragen: Ist das Kerngebiet in Berlin gültig? Falls ja, wie wird der Nutzer auf die erhöhten Kosten hingewiesen? Falls nein, ist geplant, das Kerngebiet einzuführen?

Nach sensationellen 8 Tagen kam die Antwort der Kundenbetreuung:

Sehr geehrter Herr Stenzel,
vielen Dank für Ihre Anfrage vom 11. März 2017.
Bei dem grün eingegrenzten Bereich handelt es sich um das Kerngebiet von LIDL-Bike in Berlin. Auf der linken Seite unserer Homepage finden Sie einen rechteckigen Button, der Ihnen die Möglichkeit gibt, das Kerngebiet ein- bzw. ausblenden zu lassen. Die Anzeige ist so voreingestellt, dass das Kerngebiet angezeigt wird. Anbei finden Sie einen Screenshot, der Ihnen die Funktionsweise des Buttons verdeutlicht.
Unser Preisverzeichnis, welches Sie über mögliche Servicekosten aufklärt, finden Sie hier, direkt unter den Tarifen, zum herunterladen.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. …
LIDL-BIKE Kundenbetreuung

Damit hat der Mitarbeiter der Kundenbetreuung mir nur mitgeteilt, was ich schon vermutet hatte. Leider ist zu befürchten, dass nicht wenige Nutzer teures Lehrgeld zahlen werden: Wie schon auf dem Screenshot zu sehen, wurden schon kurz nach dem Start von LIDL-Bike einige Räder außerhalb des Kerngebietes abgestellt. Eine willkommene Einnahmequelle für DB Rent?

Es wäre schön, wenn LIDL-Bike nicht nur eine hübsche Website, sondern auch umfassende und leicht zugängliche Informationen zu ihrem Service und den damit verbundenen Kosten anbieten würde. Der Nutzer sollte – auch ohne Smartphone – nicht erst mit der Rechnung erfahren, dass das Rad außerhalb des Kerngebietes abgestellt wurde. Dass die Ausleihe in der ersten halben Stunde nicht kostenfrei ist, wie z.B. in Hamburg, ist darüber hinaus sehr bedauerlich.

Berliner Fahrradschau – Trend Gravel & Bikepacking

Cyclocross

Gravel? Bikepacking? Vor wenigen Jahren noch gab es Mountainbikes und ein Nischenprodukt namens „Cyclocross“ . Und es gab Reiseräder. Das eine waren Räder mit dicken Rohren und dicken Reifen, die von verrückten Menschen auf Strecken, die normale Menschen nur mit einer Risikolebensversicherung zu Fuß zurücklegten, gefahren wurden. Cyclocross war hingegen der amerikanische Begriff für „Radcross“ und bezeichnete ursprünglich  einen Sport, der mit Rennrädern mit Stollenreifen in Sand und Matsch ausgetragen wurde – also einen ziemlichen Unsinn.

Dann war da noch das „Reiserad“ . In der klassischen Version eine Art Rennrad mit Gepäckträger, mit dem man auf gut asphaltierten Straßen und verhältnismäßig leichtem Gepäck – auf 2 bis 5 Packtaschen verteilt – reisen konnte. Das machten aber – hier schließt sich der Kreis ein erstes Mal – nur ziemlich verrückte Mitmenschen.

Seit der Etablierung von „Bett & Bike“ in der Tourismusbranche ist das Verreisen mit dem Fahrrad Mainstream. Egal ob Baumarkt-Trekkingrad oder Hightech E-Bike: stabile Gepäckträger montiert, Packtaschen drauf und los geht der Abenteuerurlaub. Erholsam, aber nicht mehr wirklich spannend.

Fatbike – reisefertig

Irgendwann stellten ein paar – schon wieder dieses Wort – Verrückte fest, dass sich Mountainbikes und Crossbikes nicht nur für Wettkämpfe auf Singletrails und märkischen Sandhügeln eignen, sondern eine stabile Grundlage bieten, um mit wenig Gepäck fast überall hinzukommen. Um das „fast“ noch stärker zu relativieren erfanden pfiffige Mitmenschen das „Fatbike„, das auf monsterbreiten Reifen rollend fast keine Grenzen mehr kennt. MTB, Crosser und Fatbike – ein paar Taschen rangedengelt und los geht es: Wälder, Grenzwege, märkische Sandberge – kein Terrain ist mehr unerreichbar.

In der Zwischenzeit kam aus den USA (woher auch sonst?) ein neuer Trend: Gravel. Ein Gravelbike ist eigentlich ein Rennrad, mit dem man auch auf schlechterem Untergrund fahren kann. Nicht direkt im märkischen Sand wie die Crosser und ganz bestimmt nicht auf Singletrails wie die Mountainbikes. Aber dazwischen fast überall. Schaut man rund 80 bis 100 Jahre zurück, sieht man Bilder von Radsportlern auf Rädern mit dicken Schlauchreifen auf italienischen, französischen oder deutschen Schotterpisten: im Grunde die ersten Gravelbiker. Wie dem auch sei: schnell wurde das Gravelbike auch in hiesigen Gefilden heimisch und genauso schnell entdeckte die Industrie, dass die Kombination Gravelbike + Tourismus eine neue Nische eröffnet.

Packtaschenhersteller, allen voran Ortlieb, konstruierten maßgeschneiderte Taschen, die ohne jeglichen Anbau am Rad auskommen, dem Fahrrad die Agilität belassen, die deren Besitzer schätzen und die dennoch das (Minimalgepäck) für einen „Overnighter“ bewältigen können.

Auf der Berliner Fahrradschau am vergangenen Wochenende musste man schon recht blind herumlaufen, um die vielfältigen Interpretationen dieses Themas zu übersehen: Gravelbikes, die eher an moderne Carbonrennräder erinnern (gesehen bei Rosebikes), die jedoch nicht für den Gepäcktransport gedacht sind, fast klassische Reiseräder mit schmalen Reifen bis hin zu reinen MTBs und Fatbikes (z.B. von Salsa), ausgestattet mit dem klassischen Overnighter-Taschenset zeigten die Bandbreite des Gravel bzw. Bikepacking auf. Zwischen diesen Extrempositionen kann man fast den gesamten Markt einordnen. Hier mit etwas mehr Leichtlauf (Velocipedo OutRider), dort mit massivem Federweg am Vorderrad (Salsa Woodsmoke) oder fast klassischer Rahmenform trotz Scheibenbremsen und Nabenschaltung (Soma Wolverine). Auch der Übergang zum Stadt- und Tourenrad verläuft fließend. Nimmt man statt des (meist etwas breiter ausfallenden) Rennlenkers beim Gravelbike einen flachen Lenkerbügel und eine etwas gemäßigte Geometrie, landet man beim „graveltauglichen“ Stad- und Reiserad (z.B. der Prototyp des Rotor Meteor).

Die Mehrheit der ausgestellten Räder war mit 1×10 oder 1×11-Kettenschaltung, einige auch mit Nabenschaltung ausgestattet. Scheibenbremsen sind in diesem Bereich fast schon als Standard zu bezeichnen. Bei den Lichtanlagen gab es im Grunde nur zwei Extreme: SON bzw. Supernova-Nabendynamos und -Lampen oder gleich ganz ohne. Der Kunde hat meist schon etwas Passendes im Keller.

In der Galerie findet ihr meine gravel- und bikepackinglastige Auswahl des BFS-Sonntags. Natürlich war dies nicht das einzige Highlight, für mich jedoch das herausragende Thema dieser Messe: sportlich, praxistauglich und gleichzeitig innovativ.

Die Flitzer:

Die Klassiker:

Die „fürs Grobe“:

Die „dazwischen“ – nicht ganz so extrem, dafür teilweise mit besonderen Details. Das „Rondo Ruut AL“ ist beispielsweise durch eine verstellbare Achsaufnahme an der Vorderradgabel auf unterschiedliche Ansprüche (Wendigkeit/Geradeauslauf) einstellbar. Das 8bar Mitte soll über Crowdfunding finanziert werden und bietet die Option, das Rad mit geringen Umbauten vom Rennrad zum Crosser / Gravelbike bzw. zum Reiserad zu verwandeln.

Die Verspielten (man beachte die „Werkzeug“-Aufnahmen am Seren):

 

Ein Abend mit Mr. Overnighter

Gunnar Fehlaus Vortrag bei velophil. hatte ich vor Kurzem hier angekündigt. Es war schon ein wenig zwiespältig, eine spannende Messe wie die Berliner Fahrradschau kurz nach Öffnung der Tore wieder zu verlassen, um zu einem Vortrag nach Moabit zu fahren. Aber es hat sich gelohnt. Die BFS läuft nicht davon, Gunnar hingegen schon (wobei man zugeben muss, dass er schon recht regelmäßig zum Hauptstadtbesuch vorbeischaut – dann jedoch ohne diese Bilder im Bikepack).

© Gunnar Fehlau / Overnighter.de

Ich möchte hier gar nicht viel über den Inhalt und den Ablauf verraten – Gunnars lockere und humorvolle Art, Themen an die Frau und an den Mann zu bringen, kann man hier kaum wiedergeben. Eins sei jedoch bereits verraten: das Thema Feuer ist für Gunnar keineswegs ein heißes Eisen – es zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend.

Falk, Recep und Walter wissen, dass ich da sehr ausdauernd, vielleicht sogar störrisch, sein kann. Regen, Schnee, Eis oder schlichter Mangel an Holz, halten mit nicht auf. Ein Overnighter ohne Feuer ist wie Bier ohne Alk: Es geht in der Not (oder bei entsprechenden gefährlichen Umständen), muss aber nicht sein. [via overnighter.de]

Der Abend war jedenfalls ein voller Erfolg: der Fahrradladen velophil. war voll, das Bier kalt und die Stimmung super.

© Gunnar Fehlau / Overnighter.de

Ich kann allen Lesern nur raten: wenn ihr irgendwo seht, dass Gunnar mit diesem Vortrag auftritt: geht hin. Auch, wenn ihr nicht mit dem Rad zum Übernachten rausfahren wollt. Egal. 2 Stunden Anekdoten über das Radfahren „vor der Haustür“ und manchmal auch woanders, gute Laune und das für 5 Euro: dieses Preis-Leistungsverhältnis ist kaum schlagbar.

Gunnars Touren sind auf overnighter.de mitzuverfolgen oder nachzulesen. Wer jetzt schon Lust auf „mehr“ bekommen hat, kann sich für einen verlängerten „Overnighter“ anmelden: Unter dem Titel Candy B. Graveller veranstaltet Gunnar

eine Bikepacking-Abenteuerfahrt im Selbstversorger-Modus … entlang des Flugkorridors der Berliner Luftbrücke vom Luftbrückendenkmal in Frankfurt/Main zum Luftbrückendenkmal in Berlin [via Candy B. Graveller]

Start ist am 28. April in Frankfurt. Zielankunft in Berlin: irgendwann zwischen dem 28. April und dem 1. Mai. Details gibt’s hier.