Deutsche Meisterschaft Steher 2021

Lang ist es her, dass ich ein Steher-Rennen verfolgen konnte. Anfang September bot sich mir die Gelegenheit, mit Wolfgang Stärke gemeinsam zur DM nach Chemnitz zu fahren.

Obwohl die Meisterschaft wetterbedingt nicht ganz glatt verlief, bot die DM 2021 starken Sport und – zum Schluss – hervorragende Wetterbedingungen. Als wir morgens auf dem Campingplatz wach wurden, hätten wir jedoch eher mit einer Absage als mit einem tollen Sportfest gerechnet – die Chemnitzer Bahn ist komplett offen und der Beton schon bei geringem Niederschlag gefährlich glatt…

Es kam wie es kommen musste: nach dem ersten Vorlauf am Freitag wurde die Verstaltung abgebrochen. Was Wolfgang und ich nicht wussten: die Vorläufe wurden am nächsten Vormittag erneut komplett ausgetragen. Da waren wir gerade beim Sight-Seeing in Chemnitz 🙂

Und dann kam … der Regen. Zwischen 13 und 16 Uhr wurden in den Regenpausen die Rennen des Rahmenprogramms eingefügt. Sobald der Regen wieder einsetzte hieß es: runter von der Bahn. Als es dann etwas trockner aussah, wurden die Ausstellungs-PKW eines Sponsors zum Trockenfahren zweckentfremdet. Ein – für meine Augen – recht skurriles Bild.

Aber auch dafür hatte Petrus nur ein heiseres Lachen über – oder soll ich sagen, viele Tränen? Der Regen kam wieder. In der nächsten Trockenphase durften die Kids der U11 auf die „Bretter“. Und dann kam die Stunde der Veteranen. Ein wenig verschämt warteten sie unter einer Plane auf ihren großen Auftritt: Motorräder aus dem letzten Jahrhundert, manche tatsächlich rund 100 Jahre alt!

Trotz der tollen historischen Motorräder sollen hier natürlich wieder die Radsportler im MIttelpunkt stehen. Kurz vor 5 hatten sowohl die Götter wie auch das Schiedsgericht genug Mitleid mit den schon etwas genervten Sportlern und das Rennen konnte beginnen.

Robert Retschke (Chemnitz)

Schnell zeigte sich, dass Titelverteidiger Daniel Harnisch nicht den besten Tag erwischte. Das Rennen machten so Lokalmatador Robert Retschke und der an diesem Tag nicht schlagbare Aachener Christoph Schweizer unter sich aus. Während Retschke eine Attacke nach der anderen startete und am Ende sichtlich zerknirscht war, wirkte Schweizers Abwehr bei über 70 km/h fast mühelos.

Crowdfunding für Didi Senft

[Werbung]

Tour-Teufel Didi Senft ist im Radsport bekannt wie der „bunte Hund“. Bei der Tour de France, beim Giro d’Italia aber auch bei regionalen Events war Didi, wenn es Zeit und Gesundheit zuließen, immer dabei.

Dass Didi trotz seiner Popularität nicht in Sponsorengeldern schwimmt, wundert viele, die seine Geschichte nur durch Fotos in Presse oder Blogs mitbekommen. Durch die Verträge mit Veranstaltern wie der A.S.O., die die Tour de France ausrichtet, kommt er über die Runden. Nun steht allerdings eine gößere Anschaffung bevor: Didis treuer Bus geht in den Ruhestand und ein Ersatz muss her.

Dies hat auch Grégory Saudan, Radsport-Veranstalter und Unternehmer aus der Schweiz, erfahren und hat für Didi eine Crowdfunding-Aktion auf Indiegogo gestartet.

Um dieses Video abspielen zu können müssen YouTube cookies erlaubt werden. Durch das Aktzeptieren greifen Sie auf Inhalte von YouTube zu. Dieser Dienst wird von einer externen, dritten Partei bereitgestellt.

YouTube-Datenschutzrichtlinie

Wenn Sie diesen Hinweis akzeptieren, wird Ihre Wahl gespeichert und die Seite wird aktualisiert.

Leider läuft die Aktion in wenigen Stunden aus… also heißt es mal wieder: Zeit ist Geld!

Buchveröffentlichung: Strich durch die Rechnung

[Werbung]

Ein film- und radsporthistorisches Buch über den Film Strich durch die Rechnung, einen verschollenen Kassenschlager der 30er Jahre, veröffentlicht von Lars Amenda.

1931. Die Weltwirtschaftskrise war noch nicht überwunden, die noch junge Demokratie der Weimarer Republik nicht gefestigt. Der Fußball hatte den Radsport als Massenphänomen überflügelt – so wie der Tonfilm den Stummfilm. Ausgebildete Theaterschauspieler wie Heinz Rühmann hatten in wenigen Jahren die alten Helden des Stummfilms abgelöst und konnten einen mehr oder weniger bescheidenen Wohlstand genießen. Rühmann, der mit seiner jugendlichen Art den Nerv des Publikums traf, verdiente mit seinen Filmen bereits so viel Geld, dass er sich nicht nur ein Motorrad und ein Auto, sondern auch ein Privatflugzeug leisten konnte.

Trotz der nachlassenden Popularität des Radsports entschied sich die Berliner Produktionsgesellschaft Universum Film AG (UFA) dafür, eine Theatervorlage über ein „geschobenes“ Radrennen zu verfilmen. Anders als in der Vorlage spielte der Film im Berliner Steher-Milieu – mit den schweren und lauten Motorrädern und den hohen Geschwindigkeiten ein geeigneter Hintergrund für einen „modernen“ Tonfilm.

Heinz Rühmann, der die Rolle des gewitzten Underdogs verkörperte wie kein Anderer, war die erste Wahl für die Hauptrolle, die Radrennbahn in Forst die (nicht ganz so naheliegende) Location. Ob es an Terminproblemen oder an filmischen / dramaturgischen Ursachen lag, ist nicht klar. Die Berliner Radrennbahnen wurden jedenfalls als Drehort verworfen und die Kleinstadt in der Lausitz wurde für einige Wochen zu einem cineastischen Hotspot.

Quelle: Sammlung Hans-Joachim Schulz

Um Filme auch international vermarkten zu können, war es damals an der Tagesordnung, mehrere Fassungen in unterschiedlichen Sprachen gleichzeitig zu erstellen. So auch in diesem Fall: mit dem französischen Schauspieler (und Radsportler) Albert Préjean sollte der Film unter dem Titel „Riveaux de la Piste“ in die Kinos Frankreichs kommen.
Da Heinz Rühmann zwar fliegen, aber nicht wirklich Rad fahren konnte, musste er nach wenigen Drehtagen (und einem schweren Sturz nach Kontakt mit der Schrittmachermaschine) gedoubelt werden. Auf seinen Wunsch hin übernahm Albert Préjean die Rolle seines Doubles.

Rühmann (l.) und Préjean (r.) während der Dreharbeiten. Quelle: Illustrierter Radrenn-Sport 1932

Dem Erfolg des Films tat dies keinen Abbruch. Die deutsche Fassung wurde von der Kritik hoch gelobt und scheint auch an den Kinokassen sehr erfolgreich gewesen zu sein. Selbst in den USA gab es anerkennende Kritiken. Auch die französische Version wurde in mehreren Ländern (u.a. Belgien und Spanien) aufgeführt.

Dennoch geriet dieser Film – anders als zum Beispiel „Quax, der Bruchpilot“, ebenfalls von der UFA mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle – in Vergessenheit. Die einzige nachweisbar noch existierende Kopie wurde erst kürzlich in Moskau wiederentdeckt und fast 90 Jahre nach der Uraufführung im Oktober 2020 in Forst erneut aufgeführt. Die französische Version gilt hingegen als verschollen.

Quelle: Illustrierter Radrenn-Sport 1932

Lars Amenda, Historiker und Vorsitzender des Altonaer Bicycle Clubs (ABC), begab sich noch vor der Wiederaufführung von Strich durch die Rechnung auf die Spuren des verschollenen Films. Anhand zeigenössischer Quellen rekonstruierte er die Geschichte des Films und der Bedeutung dieses großen Projektes für die Stadt Forst.
Ein Film aus den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts – entstanden zwei Jahre vor der nationalsozialistischen Machtergreifung – sowie dessen Vorlage kann nicht ohne die Berücksichtigung der politischen und sozialen Geschehnisse eingeordnet werden. Ein Heimspiel für einen promovierten Historiker – trotzdem gerät dieser Abschnitt zu den schwächeren des Buches: anders als bei der Schilderung der Dreharbeiten bleibt hier naturgemäß wenig Spielraum für stimmungsvolle Schilderungen. Auch Rühmanns Rolle im Nationalsozialismus bleibt nicht unerwähnt. Amenda vermeidet es klugerweise, sich hierin zu verbeißen. Wer hierzu mehr wissen möchte: Im Web wie in der im Buch akribisch aufgeführten Printliteratur gibt es hierzu bereits diverse Quellen.

Richtig in Fahrt kommt das Buch mit den anschaulichen Berichten über die Dreharbeiten und die vielen kleinen Nebenschauplätze, die das Filmteam für eine gewisse Zeit zu einem Teil des Lebens der Stadt in der Lausitz werden ließ. Die Illustrierung mit vielen Fotos aus der Geschichte der Forster Radrennbahn und von den Dreharbeiten machen dieses lokale Ereignis wieder erlebbar.

Da einige nationale und internationale Radsportler bei dem Film mitwirkten, ist er auch als Radsportfilm von Interesse. Es ist zu hoffen, dass das Buch dazu beiträgt, dass dieser besondere Film auch außerhalb von Forst noch das eine oder andere Mal gezeigt werden kann.

Für Filmliebhaber und Radsportfans ist „Strich durch die Rechnung“ ein passendes Weihnachtsgeschenk – das allerdings eine schmerzliche Lücke hinterlässt, solange der Film nicht wieder öffentlich aufgeführt werden sollte.

TitelStrich durch die Rechnung.
Der Ufa-Film mit Heinz Rühmann
und die Radrennbahn Forst (Lausitz)
AutorLars Amenda
ISBN978-3-949139-00-0
Seiten111
Format17×24 cm
AusstattungHardcover

Erschienen ist das Buch im Rahmen als Band 1 der Reihe Velodrom. Schriften zur Fahrrad- und Radsportgeschichte. Mehr Infos: https://nfg.hypotheses.org/1340

Bezogen werden kann das Buch z. B. über den Versand No Rock Just Roll.

Vielen Dank an Lars Amenda und Frank Henschel für die Überlassung der hier gezeigten Fotografien!

Hinweis zur Kennzeichnung als „Werbung“
Ich habe das Rezensionsexemplar beim Herausgeber kostenpflichtig erworben. Da auch eine Rezension einen werbenden Charakter hat, kennzeichne ich diesen Artikel als Werbung.

Ehrung für Kristina Vogel bei Bahn-WM

[Werbung]

Am letzten Tag der Bahn-WM in Berlin erhielt Bahnradsport-Legende Kristina Vogel die höchste Auszeichnung, die der Weltverband UCI für Sportler vergeben kann:

Kristina Vogel und UCI-Präsident David Lappartient

The Union Cycliste Internationale has the honour of awarding the UCI Merit to Kristina Vogel. This award is in recognition of your outstanding career in cycling and your commitment to the sport. Awarded in Berlin (GER) on 1 March 2020.

Weiterlesen