Unter Geiern oder: Einmal Ronda – Las Palomas und zurück – Teil 1

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Ein merkwürdiger Titel. Zugegeben. Warum ich ihn gewählt habe? Darauf komme ich noch zurück. Doch der Reihe nach.

Nach unserem letzten Andalusien-Urlaubs hatten wir zwei Versäumnisse einzugestehen: Wir waren nicht in Ronda und haben es nicht geschafft, die von unserem Freund Roberto so hochgelobte Palomas-Pass-Etappe zu fahren, die er für Quäldich.de erstellt hatte.

Dieses Jahr wollten wir diese Versäumnisse wieder gutmachen. Mit unseren Rennrädern und leichtem Gepäck fuhren wir von der spanischen Atlantikküste (genauer gesagt von der Manzanilla-Stadt Sanlúcar de Barrameda) nach Ronda. Rund 150 km mit ca. 2.100 hm. Da wir im Urlaub waren, genehmigten wir uns eine Übernachtung im kleinen aber schönen Städtchen El Bosque, am westlichen Rand der Sierra de Grazalema gelegen.

Mit leichtem Gepäck auf dem Rennrad / Gravelbike reisen: in Andalusien kein Problem. Foto: Britta Münster / BikeBlogBerlin
© Britta Münster / BikeBlogBerlin

Fans des ehemaligen spanischen Profi-Radteams Once sagt der Ort möglicherweise etwas: Im Frühjahr kam das Team nach El Bosque, um sich an den Anstiegen der Sierra die Form für die harten Bergetappen der internationalen Straßenrennen zu erarbeiten. Und nun waren wir hier.

Auf den Spuren der Profis durchquerten wir am nächsten Tag die Sierra de Grazalema, ein Gebirgszug und Nationalpark im südlichen Andalusien, in der Mitte zwischen Sevilla, Málaga und Gibraltar gelegen. Obwohl die Strecke nur rund 55 km lang war, mussten wir 1300 Höhenmeter überwinden – und kamen am Ende dennoch nur auf 736 Meter Höhe in Ronda an.

Zwar ist Ronda dem Spanienurlauber und Radtouristen nicht so präsent wie Sevilla oder Málaga, dennoch zeigt es sich als Publikumsmagnet. Täglich ergießen sich ganze Busladungen voller Touristen in diese Kleinstadt, werden von mehr oder weniger engagierten Fremdenführern durch die Stadt geführt und treten am frühen Abend wieder den Heimweg an. Wer dem aus dem Weg gehen möchte, sollte eine Übernachtung in Ronda einplanen und die Stadt morgens oder in den Abendstunden erkunden.

Da die meisten Sehenswürdigkeiten auf kleinstem Raum in der Altstadt zu finden sind, die direkt neben dem urbanen Zentrum liegt, empfiehlt sich die Übernachtung in einer der dortigen kleinen Hostals, die einfach, sauber und günstig sind. Das Frühstück nimmt man bevorzugt dort ein, wo auch die Bewohner Rondas essen: in kleinen Bars und Restaurants jenseits des Schicki-Micki der Altstadt.
Touristisches Highlight des Städtchens ist die Puente Nuevo, die neue Brücke über einer rund 120 Meter tiefen Schlucht des Río Guadalevín. Sie verbindet die durch die Mauren erbaute Altstadt La Ciudad, die durch einen in den Berg hineingebauten Palast regiert und geschützt wurde, und den von den Spanieren angelegten jüngeren Stadtteil El Mercadillo.

Für Tag 3 stand die Palomas-Pass-Etappe auf dem Plan. Teile davon kannten wir bereits aus dem Vorjahr. Von Zahara de la Sierra aus fuhren wir über den Pass nach Grazalema und (anders als in diesem Jahr) entlang des Stausees Zahara-El Gastor zurück. 2017 eine kurze Runde, 45 km mit rund 1000 hm bei Mittagstemperaturen von über 30 °C – Anfang Oktober!

Diese Temperaturen erwarteten uns dieses Jahr nicht, jedenfalls sollte die 30 °-Marke nicht überschritten werden. Ideal für eine schöne Rennradtour.

Da Ronda wie gesagt auf einem rund 700 Meter hohen Hügel liegt, beginnt jede Ronda-Radtour mit einer flotten Abfahrt. Aufgrund der schroffen Felsen, auf denen die Stadt erbaut wurde, gibt es nur wenige Straßen, die aus der Stadt hinausführen. In Richtung Sierra gibt es praktisch nur eine Straße, über die auch der meiste Verkehr in Richtung Sevilla und Atlantikküste fließt. Ensprechend hoch ist das Verkehrsaufkommen. Auch wenn die Andalusier dem Radverkehr großzügig Raum lassen – richtiger Spaß will auf diesem Teilstück nicht aufkommen.

So ist man auch froh, wenn man nach knapp 8 Kilometern den Verkehr hinter sich lassen und auf eine kleine Straße Richtung Norden ausweichen kann. Aber Achtung: wer bei der Abfahrt von Ronda nur gerollt ist, wird schnell merken, dass man sich auch im warmen Süden warmfahren sollte. Die nächsten 4 Kilometer hat man mit 5-10 % Steigung gut zu arbeiten, bevor das Terrain angenehm wellig wird. Kurz danach beginnt eine fast 20 Kilometer lange Abfahrt, die erneut von kleineren, wundervoll schnell zu fahrenden Wellen unterbrochen wird.

Und jetzt möchte ich auf den Titel dieses Artikels zurückkommen. Geier – diese Tiere vermutet man vorschnell nur in Amerika oder Afrika, eventuell noch einzelne Exemplare in den Alpen. Spanien verbindet man eher mit Eseln oder Geckos, weniger mit diesen majestätischen – aber aufgrund ihres Speisezettels ein wenig gruseligen – Tieren. Nur wenige Kilometer von Ronda entfernt jedoch konnte ich einen ganzen Schwarm dieser großen Raubvögel beobachten. Ein Moment, in dem ich mir gewünscht hätte, meine „große“ Kamera mit Teleobjektiv dabeizuhaben. Auf Wikipedia kann man nachlesen, dass Spanien die meisten Brutpaare des Gänsegeiers in Europa beheimatet. Die Sierra de Grazalema wiederum nimmt für sich in Anspruch, zu den größten Brutgebieten Spaniens zu zählen*. Selbst für den Nicht-Ornithologen ist es ein faszinierendes Schauspiel, wenn Geier in den Aufwinden langsam kreisen. Da sie aufgrund ihrer Spezialisierung nicht zu den schnellen Raubvögeln gehören, sind sie hervorragend zu beobachten. Erst recht, wenn sie wie hier in großer Zahl auftreten.

Gänsegeier in Sanlucar de Barrameda

Dass ich die Runde ohne Gepäck – und daher auch ohne „echte“ Kamera fahren wollte, hielt ich mich nicht lange mit dem Fotografieren auf. Also fuhr ich weiter und kam bald in ein Gebiet, das sich durch Felder, sanfte Hügel, Weinberge und Olivenplantagen auszeichnete. Nur ab und zu kamen die ansonsten in der Sierra allgegenwärtigen schroffen Felsen zum Vorschein. Zwischenzeitlich wähnte ich mich auf einem gigantischen Pumptrack: im schnellen Wechsel folgten flotte Abfahrten auf leichte Anstiege, die ich daher (fast) mühelos bewältigen konnte. Dieselbe Abfolge wiederholte sich mehrfach, bis nach knapp 50 Kilometern mit 289 Metern der tiefste Punkt des Tracks erreicht war. Klar, dass jede berauschende Abfahrt bis hierher durch zusätzliches Klettern bezahlt werden musste – schließlich lag mein Ziel (vom Pass abgesehen) auf rund 700 Metern Höhe.

Doch noch einmal zurück zu Kilometer 35. Eine schöne, langgezogene Abfahrt, die Sonne stand inzwischen recht hoch, die doch schon etwas frischen Morgentemperaturen waren vergessen. Ein Hund überquerte vor mir die Straße. Ihm folgte ein Mann – wie sich herausstellte ein Schäfer – und ein weiterer Hund, deutlich träger als der erste. Ein kurzes „Hola!“ – „Buenas dias“ wurde zwischen uns gewechselt, bevor ich weiterrollen und der Schäfer seine Herde erreichen sollte. Beim Weiterfahren fragte ich mich, ob ihm meine Art zu Leben genauso fremd vorkam wie mir die seine?

Auf der ruhigen Nebenstraße, die ich auf den letzten 30 km fahren durfte, gab es nahezu keinen Verkehr. Dies änderte sich bei Kilometer 40. Von hier geht die Strecke ein kurzes Stück über eine überregionale Straße. Nach drei Kilometern erreichte ich den Abzweig nach Algodonales – das erste „weiße Dorf“ der Palomas-Pass-Etappe. Für Durstige: ein Café ist bereits am Dorfeingang zu finden, der kleine Supermercado hingegen erst etwas weiter im Inneren Algondonales. Sehenswert ist der Brunnen Fuente del Algarrobo, dessen Quelle früher die Stadt mit Wasser versorgte.

Ich folgte der Straße ein Stück weiter durch den Ort, musste dann aber in eine unscheinbare Nebenstraße in südlicher Richtung abbiegen. Kurz danach lag Algodonales hinter mir – der bereits beschriebene „Tiefpunkt“ der heutigen Tour war erreicht. Die beschwingte, flotte Fahrt fand hier ihr Ende – ich hatte die Sierra erreicht.

Fortsetzung folgt …

*Quelle: http://www.juntadeandalucia.es

Hinweis zur Kennzeichnung als „Werbung“
In diesem Artikel wird u. A. auf das Radsportportal Quäldich.de verwiesen. Daher kennzeichne ich diesen Artikel als Werbung.

Aber du bist doch behindert: Rückkehr nach 17 Monaten Weltreise

Sven Marx mit seinem Rad vor dem Brandenburger Tor. Plakat zur Rückkehr von Sven am 08.09.2018.Link zum Facebook-Event: https://www.facebook.com/events/144636609536360/
Nach Svens Ankunft (Samstag, 08.09.2018, 12:30 Uhr) fahren wir gegen 14 Uhr gemeinsam zum Sportfest des SCL. Es handelt sich um eine angemeldete Demonstration mit Polizeibegleitung.

Eine Veranstaltung im Rahmen der Inklusionswoche IWO-Berlin. Danke an das Netzwerk Inklusion, die Karower Dachse und den Sportclub Lebenshilfe für die Unterstützung!

Wir sehen uns?

Ihr/Euer BikeBlogger

P.S.: Plakat und Infos dürfen auch ohne Rücksprache gern und massenhaft geteilt werden!

Sven Marx: Bringt die Fackel nach Hause!

[EDIT2] Hier könnt Ihr das Plakat zur Veranstaltung herunterladen (PDF, nicht barrierefrei)
[EDIT1] Hier könnt Ihr den Flyer zur Veranstaltung herunterladen (PDF, nicht barrierefrei)

Sven Marx (Sven Globetrotter) ist zurück. Fast. Er muss „nur noch“ durch Westeuropa fahren, dann empfängt ihn seine Heimat- und Lieblingsstadt Berlin wieder. Am 08. September wird Sven am Brandenburger Tor ankommen – und wir sind dabei!

  • Ort: Brandenburger Tor
  • Datum: 08. September 2018
  • Zeit: 12:30 Uhr

Anschließend bringen wir gemeinsam die Inklusionsfackel in den Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark im Prenzlauer Berg. Dort wird Sven – im Rahmen des 38. Internationalen Sportfest des SCL anlässlich der Inklusionswoche – die Fackel an Alexandra Cremer überreichen. Alexandra hatte 2014 die Idee, den Gedanken der Inklusion mit Hilfe dieser Fackel zu verbreiten. Seitdem hat die Fackel alle deutschen Landeshauptstädte besucht, wurde vom Papst in Rom gesegnet, war bei den Paralympics in Rio und ist auf dem Kilimandscharo gewesen. Sven hatte die Fackel während seiner ganzen Weltreise dabei.

Die Inklusionsfackel beim Start am Brandenburger Tor. Foto: Christa Lemmé

Kommt am 08. September zum Brandenburger Tor – mit dem Rad, dem Handbike oder (wenn Ihr sehr flott unterwegs seid) mit Euren Laufschuhen!

Mögliche Terminänderungen erfahrt Ihr über Svens Facebook-Account bzw. seine Facebook-Veranstaltung.

Für Rückfragen stehe ich natürlich gern zur Verfügung!

TOP Fahrrad-Blog 2017: meine Stimme für Sven Globetrotter

Endspurt! Die Abstimmung endet am 28.11.2017!


Die Abstimmung zum TOP Fahrrad-Blog 2017 wurde gestartet. Wie schon im vergangenen Jahr ist Sven Globetrotters Blog in der Kategorie Radreisen (jetzt „Radreise & Bikepacking“) nominiert. Im vergangenen Jahr wurde Svens Blog auf den ersten Platz dieser Kategorie gewählt! Ein toller Erfolg, der im Vorfeld seiner aktuellen Weltreise sehr wichtig war.
Inzwischen ist Sven ein gutes halbes Jahr auf seiner Weltreise und berichtet laufend auf Facebook und auf www.sven-globetrotter.de über seine Erlebnisse.

Warum möchte ich, dass Sven – unter vielen anderen Radreisenden – diese Wahl gewinnt? Weil Sven nicht nur sein persönliches Abenteuer sucht. Klar, jede Reise, über die man berichtet, ist immer auch ein Egotrip. Und diesem Trip möchten wir Leser folgen. Weil ‚er‘ oder ‚sie‘ für uns, an unserer Stelle fährt.
Aber bei Sven gibt es nicht nur ein ‚weil‘, sondern auch ein ‚trotz‘ und ein ‚gerade wegen‘. Sven ist behindert. Er fährt Rad, weil er damit selbständig reisen kann. Die Seh- und Gehbehinderung, die aufgrund eines Hirntumors entstanden ist, beeinträchtigt ihn hauptsächlich beim Gehen – und motorbetriebene Fahrzeuge kommen auch nicht mehr in Frage. Er macht eine Weltreise, weil er sich geschworen hat, diese Reise vor seinem 50. Geburtstag anzutreten, wenn er den Tumor besiegt hat. Er fährt trotz seiner Behinderung, obwohl die meisten gesunden Menschen sich solch eine Reise nie zutrauen würden. Er fährt er mit dem Rad um die Welt gerade wegen des Tumors (der in einer langwierigen OP fast komplett entfernt werden konnte): durch diese Erkrankung hat er die Erfahrung gemacht, dass man vieles erreichen kann, wenn man den Willen dazu hat. Und (erneut ein „weil“) weil er damit Anderen Mut machen kann.

Genug Gründe, um Sven bei dieser Abstimmung ganz oben sehen zu wollen, wie ich meine. Was meint ihr? Bei YouTube würde ich jetzt sagen – dann gebt mir ein „Daumen hoch“. Hier sage ich: dann klickt diesen Link zur Abstimmung auf fahrrad.de (oder das Bild rechts) an und stimmt für Sven!

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Neuerscheinung: Rad und Raus von Gunnar Fehlau

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Gunnar Fehlau, Gründer und Geschäftsführer von Pressedienst Fahrrad und Herausgeber des Magazins fahrstil, gehört zu den Typen, die jede Branche, jeder Sport braucht. Gäbe es sie nicht, müssten sie erfunden werden. Außenstehenden mag er manchmal etwas speziell vorkommen. In meinem Bekanntenkreis ist er jedenfalls der Einzige, der seine E-Mails auf dem iPad beim Training auf der Radrennbahn beantwortet hat. Dies gehörte seinerzeit zu den Kompromissen, die er eingehen musste, um Familie, Job und Training für die „Great Dilvide“ unter einen Hut bringen zu können. Weiterlesen