GPSies wird Alltrails

[Werbung] GPSies.com. Für viele Radsportler und -wanderer eine der ersten Adressen, wenn es um die Online-Tourenplanung geht.

2017 schrieb der Entwickler von GPSies, Klaus Bechtold im Blog:

Eigentlich ist GPSies ein schlafender Riese, der von Investoren noch nicht entdeckt wurde. Das Potential ist riesig, denn GPSies als Marke hat sich seit dem Bestehen der letzten 11 Jahre in die Outdoorwelt eingebrannt und ist nicht mehr wegzudenken.

[Quelle: GPSies.com]

Logo von GPSies.com, erstellt von Kbechtold – Eigenes Werk;Lizenz: CC BY-SA 4.0

2006 war das Geburtsjahr dieses schlafenden Riesen. Drei Jahre später habe ich GPSies entdeckt, als ich online nach Rennrad-Trainingsstrecken suchte. Anders als Portale wie Komoot oder Naviki war GPSies bis zuletzt ein Hobby seines Entwicklers. Nach eigenen Angaben gab es 2017 rund 600.000 angemeldete Nutzer:

Ich glaube, dass GPSies eines der größten Hobbprojekte Deutschlands ist, wenn man die Community von 600.000 registrierten Benutzern als Maßstab nehmen würde. [ebd.]


Warum war GPSies so erfolgreich? Der Hobbycharakter allein erklärt es nicht ausreichend, zumal sich die Funktionalität vor anderen Portalen nicht verstecken muss. Wenn überhaupt sieht man es höchstens dem Layout an, dass hier keine hochbezahlten Profis am Werk sind.

Neben der sehr einfachen Möglichkeit, Routen zu erstellen, zeichnet sich GPSies dadurch aus, dass alle veröffentlichten Routen auch ohne Anmeldung zugänglich sind. Touren können leicht mit Anderen geteilt werden, ohne dass Kosten entstehen oder dass sich potenzielle Nutzer irgendwo anmelden müssen. So wurde zum Beispiel die gesamte Tourenplanung beider Besi&Friends-Touren auf GPSies durchgeführt und somit allen Teilnehmer zugänglich gemacht.

Eine weitere wichtige Funktion ist für viele Nutzer, dass GPS-Tracks verschiedenster Formate hochgeladen bzw. in verschiedenste Formate umgewandelt und heruntergeladen werden konnten.

Unterstützt wurden zuletzt:

Google Earth (KML, KMZ), Google Maps directions (XML, JSON), PCX5 (tracks, waypoints), GPX (tracks, routes, waypoints), GPX Garmin Streetpilot, Garmin Course (CRS, TCX), FIT (ANT+), MS Excel, CSV (Comma-Separated-Values), Falk IBEX Tour, CompeGPS, VDO GP7 (TRC), GeoRSS, Logbook, NMEA, OVL (ASCII), Fugawi, KOMPASS Verlag (Alpenverein), TrainingPeaks (PWX), Navigon Route, OziExplorer, qpeGps Track, MagicMaps IKT, TomTom BIN (ttbin), TomTom ITN, Suunto SDF, Magellan Track, PathAway

[QUELLE: gpsies.com]


Gestern erhielten alle angemeldeten Nutzer eine E-Mail, mit der Bechtold ihnen mitteilte, dass GPSies an das amerikaische Portal Alltrails verkauft wurde:

Ab ungefähr dem 16. August 2019 werden die Website GPSies.com und die damit verbundenen Dienstleistungen nicht mehr von mir, sondern von AllTrails bereitgestellt. Es ergeben sich für Dich keine unmittelbaren praktischen Änderungen, da Du die Website und Dienste von GPSies wie gewohnt weiter nutzen kannst.

Quelle: E-Mail vom 26.07.2019

Zu befürchten ist jedoch, dass „unmittelbar“ nur eine kurze vorübergehende Phase sein wird. Da anzunehmen ist, dass die Touren von GPSies zukünftig nur noch über die Alltrails-Weboberfläche bzw. deren Apps zugänglich sein werden, wären damit einige wichtige Einschränkungen verbunden:

  • das Erstellen von Tracks ist auf Alltrails nur für Nutzer, die ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen („Pro-User“) haben, möglich
  • der Download von Touren für das Offline-Navi ist ebenfalls nur für Pro-User möglich
  • das Einbinden von Tracks auf externen Webseiten etc. ist bei Alltrails nicht vorgesehen
  • mit dem Einbinden der Tracks auf Alltrails werden diese mit dem aktuellen Datum versehen – es ließe sich nicht mehr erkennen, wie aktuell die Tracks tatsächlich sind (Quelle: heise.de).
  • es ist aktuell nicht sicher, welche Funktionen von GPSies erhalten bleben oder noch eingebunden werden

Da sich der Sitz von Alltrails in den USA befindet, gelten dort nicht die EU-Dateschutzbestimmungen. Zwar versichern Alltrails und Bechtold, dass der neue Besitzer verantwortungsvoll mit den Daten umgehen wird, eine rechtliche Regelung nach europäischem Vorbild gibt es diesbezüglich allerdings nicht.

Nutzer von GPSies sollten prüfen, ob sie den Wechsel zum neuen Anbieter mitmachen wollen. Sollte dies nicht in Frage kommen, müssen sie über den Widerspruch-Button in der oben erwähnten E-Mail kündigen. Alternativ ist dies auch durch eine Mail an support@alltrails.com möglich. Durch die Kündigung werden alle Daten auf GPSies gelöscht und werden nicht an Alltrails übertragen – man sollte also noch benötigte Tracks sichern!
Wer den Wechsel zu Alltrails akzeptiert, hat die Möglichkeit, sein Nutzerprofil bzw. seine Touren als privat zu markieren, so dass diese Daten nicht öffentlich sind.

Alle Informationen zum Wechsel sind auf der Website von Alltrails zu finden: GPSies fusioniert mit AllTrails.

Auch heise.de hat diese Entwicklung mit Bedauern kommentiert.

An dieser Stelle möchte ich mich bei Klaus Bechtold für 13 Jahre mit GPSies, in meinen Augen eins der besten kostenfreien Tourenportale, bedanken!

Karte aus Beitragsbild oben: „Leaflet | HikeBikeMap.org © OpenStreetMap & contributors, CC-BY-SA

IKEA goes cargo…bike!

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Nachhaltigkeit ist in aller Munde. Möbelhäuser leben (verkürzt gesagt) davon, dass viel konsumiert und ebenso viel transportiert werden muss. Angeboten wird fast alles, was im Haushalt benötigt wird: vom Korkuntersetzer für einen Euro bis zur kompletten Wohnungseinrichtung. Häufig in Plastik eingepackt, meist zu schwer oder zu sperrig für das Fahrrad oder den öffentlichen Nahverkehr. Die Alternative ist der PKW oder bei größeren Packungseinheiten ein Miet-Transporter oder -Anhänger.

Die Möbelfirma IKEA macht trotz der Bekenntnis zur Nachhaltigkeit keine Ausnahme. Es gibt jedoch Ansätze, auch beim Transport dem gestiegenen Umweltbewusstsein der Kunden entgegenzukommen: gute (wenn auch wenige) Fahrradständer, eine frei zugängliche Fahrradreparaturstation und seit einiger Zeit Lastenräder zum Ausleihen.

Das klassische Lastenrad ist jedoch nur bedingt dazu geeignet, größere Möbel zu transportieren. 2 Meter lange Kartons stellen selbst für die größeren handelsüblichen Cargobikes ein Problem dar. Die Lastenräder bei IKEA wurden daher mit Anhängern ausgestattet, die viele Transportprobleme lösen helfen.

So sieht man immer öfter, dass Kunden eins der Gespanne bepacken und ihre Möbel emissionsarm nach Hause transportieren. Emissonsarm, weil die Räder mit E-Motoren ausgestattet sind. Mit dieser Kombination ist der Transport nur noch eine Frage der Geschicklichkeit beim Packen und der Zeit, die es bis zum Ziel braucht. Schnell ist dieses Gespann nämlich nicht. Schuld daran ist nicht der Motor, sondern die Übersetzung, die ausschließlich für niedrigere Geschwindigkeiten ausgelegt ist. Über eine Schaltung verfügen die IKEA-Lastenräder leider nicht. Konstruktionsbedingt wäre nur eine teure Tretlagerschaltung oder eine defektanfällige Kettenschaltung möglich – das macht den Verzicht erklärlich.

Fahren
Kurze bis mittlere Distanzen lassen sich mit dem Gespann erstaunlich leicht bewältigen. Der Motor hat erstaunlich viel Kraft, das Gesamtgewicht merkt man kaum. Trotz der Länge, die die eines normalen Transporters überschreitet, lassen sich Kurven gut fahren. Den Kurvenradius eines Fahrrades darf man naturgemäß nicht erwarten.

Die „Zugmaschine“ hat wegen eines – für ein Lastenrad – relativ kurzen Radstandes eine noch relativ direkte Lenkung, der Anhänger braucht aufgrund seiner Länge mehr Platz und Abstand zu Hindernissen oder Bordsteinen. Vor dem vollbepackten Fahren empfiehlt es sich, ein paar Meter Leerfahrt auf einer wenig frequentierten Stelle des möbelhauseigenen Parkplatzes zurückzulegen. Nach wenigen Minuten stellt sich auch bei diesem Gespann die bekannte Sichheit ein: sobald der Motor schiebt, geht es ohne Anstrengung und ohne Wackeln geradeaus. Kräftige hydraulische Bremsen am Rad und ausreichend dimensionierte Auflaufbremsen am Trailer lassen auch beim Bremsen nie das Gefühl aufkommen, das Gespann nicht unter Kontrolle zu haben. Rangieren kann man mit dem Gespann, egal ob voll oder leer, nur schwer: rückwärts schlägt die Lenkung des Anhängers schnell in die falsche Richtung ein. Wenn möglich sollte der Anhänger zu diesem Zweck abgekuppelt werden.

Ein kleiner Kritikpunkt ist der Sattel, der schon nach wenigen Kilometern das Fahren zu einer unangenehmen Angelegenheit macht. Gut, Leihräder müssen robust sein und der Austausch von Teilen sollte nicht zu teuer sein. In Anbetracht der begrüßenswerten Leihkonditionen ist auch der unbequeme Sattel verschmerzbar.
Womit wir bei den Kosten wären. Die Ausleihe (die Angabe gilt für die Filiale in Berlin-Lichtenberg) ist für drei Stunden kostenlos, danach werden erträgliche 5 € pro Stunde fällig.

Rechtliches
Die Räder dürfen als Pedelec führerscheinfrei gefahren werden, eine Helmpflicht besteht nicht. Beleuchtung etc. ist selbstverständlich vorhanden, Helme können bei Bedarf ausgeliehen werden. Da es sich um Fahrräder handelt, gelten alle Regeln, die auch für normale Räder gelten. In Bezug auf die Benutzungspflicht von Radwegen ist die Zumutbarkeit der Benutzung ein wichtiges Kriterium: zu schmale, unebene oder durch Poller künstlich verengte Radwege können das Fahren praktisch unzumutbar machen. In diesen Fällen wäre die Benutzung der Fahrbahn legal. Man sollte sich bewusst sein, dass dies nicht vielen Verkehrsteilnehmern bekannt ist und eine Unzumutbarkeit immer subjektiv beurteilt wird.
Das Gespann darf praktisch überall da abgestellt werden, wo auch Autos parken dürfen. Solange Fußgänger nicht behindert werden, ist zudem auch das Abstellen auf Gehwegen erlaubt.

Tipp
Spannbänder (wenn vorhanden) mitbringen oder vor Ort kaufen. Decken helfen, die Last zusätzlich zu sichern: die Anhänger holpern bei Fahrbahnunebenheiten recht stark. Die Last sollte ordentlich verzurrt werden, da die Anhänger niedrig sind und lose Pakete zu gefährlichen Situationen führen könnten.

Fazit
Für Strecken bis ca. 10 Kilometern und überschaubare Einkäufe sind die Cargobikes des schwedischen Möbelhauses eine hervorragende und umweltfreundliche Alternative zum PKW oder dem Leih-Transporter. Schade, dass IKEA diesen Service nicht stärker bewirbt – auf der Website des Möbelhauses werden die Leihräder leider nicht erwähnt.

Danke an Britta für die Fotos! © Britta Münster / BikeBlogBerlin

European Cycling Lexicon

[Edit] Inzwischen gibt es eine aktualisierte Version. Hier der Link zur PDF-Datei. Enthalten sind jetzt 27 EU-Amtssprachen, dafür wurden die Nicht-Amtssprachen Russisch, Japanisch, Chinesisch entfernt. Weiterhin stellt sich die Frage, weshalb Türkisch als wichtige Minderheitensprache nicht enthalten ist. Der Link zur im folgenden Text vorgestellten zweiten Ausgabe ist weiterhin aktuell.

Europäisches Fahrradlexikon, zweite Ausgabe. Oder auf finnisch: Eurooppalainen polkupyöräsanasto.

Worum geht es? Es soll kein Fahrrad-Wiki sein oder werden, obwohl es der Titel nahelegt. Ziel ist es hingegen, eine handliche kleine Broschüre für den Radreisenden oder Touristen, der sich mit einem Rad in einem anderen (europäischen) Land fortbewegen will, bereitzustellen.

So werden in 27 Sprachen (neben den EU-Amtssprachen die Sprachen Russisch, Japanisch, Chinesisch, Arabisch) fahrradspezifische Begriffe aufgeführt und mit Bildern illustriert. Neben Fahrradteilen (für den Besuch im Radladen) werden auch infrastrukturspezifische Ausdrücke und ein paar Worte beziehungsweise Sätze für unterwegs aufgeführt: „Entschuldigen Sie, wo ist hier das nächste Café?“ heißt auf ungarisch „Elnézést, merre van a legközelebbi vendéglő?“ Weiterlesen

Vätternrundan 2019

Zur Vätternrunde muss ich nicht mehr viele Worte verlieren. Wer meine Berichte aus den vergangenen Jahren lesen möchte, findet sie hier:

2019 war ich – erneut – angemeldet, konnte aber leider nicht aktiv teilnehmen. Dafür hatte ich ein zweites Mal die Gelegenheit, die Vätternrunde aus einem anderen Blickwinkel zu erleben.

More photos will follow!

05:59,2 – die längsten 6 Minuten meines Lebens

Zumindest meines Radfahrerlebens. Ist die Spannung hoch genug?

Dann will ich berichten.

Die Vorgeschichte. Am vergangenen Sonntag fand anlässlich des Altlandsberger Sattelfestes ein Zeitfahren über 4 km statt. Aus einer mir nicht so ganz erklärlichen Stimmung heraus hatte ich mich dazu entschlossen, dem Wind die Stirn zu bieten und mich der Berlin-Brandenburger ProminenzKonkurrenz zu stellen.

Verrückt? Ja, ein wenig.

Das in deinem Alter! Ja, soll ich etwa noch länger warten?

Hast du überhaupt trainiert? Der erste vernünftige Kommentar.

Ich möchte ein wenig ausholen. 2010 sollte ein für meine Verhältnisse „großes“ Radsportjahr werden. Bis Ende April hatte ich nach dem langen Schneewinter gut 1.300 km auf dem Rad zusammenbekommen. Velothon, Cyclassics standen auf dem Programm. Dann ein Unfall, der mich längere Zeit ausschaltete und mir die Lust nahm. Sogar die Lust, überhaupt wieder auf das Rennrad zu steigen.

Das änderte sich, als ich las, dass die Online-Anmeldung für die Vätternrunde eröffnet wurde. Rennradfahren in Mittelschweden? Ja!

Blauer Blitz

Die Vorbereitung. Die Anmeldung für die Vätternrunde war geschehen, der Winter verabschiedete sich. Meinen Resturlaub vom letzten Jahr nutzten wir Ende Februar für eine herrliche Trainings- und Wohlfühlwoche auf Mallorca. Dann ein neues Rennrad. Blauer Blitz, es tut mir leid …

Der Halbmarathon, den ich mir auch zum Ziel gemacht hatte, machte die Konzentration auf den Radsport zeitweise nahezu unmöglich. Dennoch schaffte ich in zwei Monaten rund 1.400 km.

Das Wochenende. Ich war überzeugt, die Sache nur als Spaß zu betrachten. Samstag ein Besuch auf der Domäne Dahlem, abends noch eine halbe Stunde Laufen mit meiner Tochter. Dann der Sonntag. Gemütliche Anfahrt in einer Stunde, unterwegs holte uns Oliver ein. Erste „Kettengespräche“. Dann kamen wir in Altlandsberg an. Kurz vor der L 33 nahm die Anzahl der Rennradfahrer sprunghaft zu. Es war eindeutig. Entweder gab es hier umsonst „Oil of Rohloff“ oder die wollten alle zum Rennen.

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