Radfahrer gehören auf die Umweltspuren

© ArVo / www.radgefahren.de

Der ADFC Berlin greift ein – nahezu immer – brisantes verkehrspolitisches Thema auf: das Radfahren auf den Berliner Busspuren.

Miteinander funktioniert es
Radfahrer gehören auf die Umweltspuren

Das Nutzungsrecht der Radfahrer auf den Berliner Umweltspuren, auch Busspuren genannt, muss bestehen bleiben. „Die gemeinsame Nutzung der Berliner Umweltspuren durch Radfahrer, Busse und Taxen hat sich bewährt.“, sagt Sarah Stark, Vorsitzende des ADFC Berlin. Stark weiter „Es gibt keinen Grund das gelebte Miteinander aufzugeben.“

„Für Stau auf der Umweltspur sind falsch parkende Autos in der Hauptsache ursächlich.“, meint Stark und bestätigt damit Frau Nikuttas Interviewaussagen. Die Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe, Evelyn Nikutta, weißt in ihrem heutigen Interview auf das Falschparkerproblem hin, sowie auf einzelne Engstellen im Netz der Umweltspuren. Auf Straßenzügen, auf denen besonders viele Radfahrer fahren, wie Unter den Linden, sind die Umweltspuren zu verbreitern. „Die Berliner ‚Klimaengel’ werden mehr und lassen sich nicht an den Rand drängen. Radfahrer sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, denen ausreichend Platz zusteht.“, sagt Sarah Stark weiter.

‚Radfahrer frei’ auf Umweltspuren ist ein wesentliches Element der Radververkehrsförderung. Auf diesen Spuren gelangen Radfahrer sicher durch die Stadt, da sie sich in Sichtbeziehung zu Bus- und Taxifahrern bewegen. Respektvolles, umsichtiges Fahren gewährleistet einen ausreichenden Sicherheitsabstand und ein rücksichtsvolles Miteinander. Dies funktioniert in der Regel in Berlin sehr gut.

Damit die Verkehrsmitteln des Umweltverbunds sicher und zügiges Vorankommen, sind Umweltspuren künftig ganztägig vom motorisierten Individualverkehr freizuhalten und ihre Breiten den Verkehrsstärken entsprechend anzupassen. Die Breiten sollten –  wo immer es die Straßenbreite zulässt – vergrößert werden, um Bussen das Überholen und Radfahrern das Vorbeifahren an haltenden Bussen zu erleichtern.

Noch viel zu wenige Umweltspuren erreichen die von BVG und ADFC geforderte Breite von mindestens 4,75 m. Damit wären die Breiten der Umweltspuren den Anforderungen des gewachsenen Radverkehrs angepasst und alle Nutzer kämen sicher und konfliktfrei ans Ziel. Wo sich diese Breite nicht durchgängig herstellen lässt, müssen wenigstens ausreichend Ausweichstellen geschaffen werden, an denen langsame Radfahrer Bussen das Überholen ermöglichen können.

Quelle: Pressemitteilung 22/2011 des ADFC Berlin

© Martin Hawlisch (LosHawlos) / Wikipedia

Ob man sich als Radfahrer ein wenig blumig als „Klimaengel “ sieht, muss hier nicht diskutiert werden. Irritierend ist der scheinbare Schulterschluss mit der BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Evelyn Nikutta, die im erwähnten Interview mit der Berliner Zeitung fordert, dass Radfahrern auf bestimmten Strecken das Nutzungsrecht für die Busspuren entzogen werden soll. Auf bestimmten Strecken mag dies durchaus sinnvoll sein: wenn der Radverkehrsanteil sehr groß wird (oder wie Unter den Linden die touristische Nutzung der Busspuren durch Leihfahrräder, Segways etc. überhand nimmt) könnte eine weiter Separierung für beide Seiten von Vorteil sein. Grundsätzlich wäre eine Verbreiterung der Busspuren auf „überholfreundliche“ Maße die wohl sinnvollere Lösung. Etwas Selbstdisziplin der Radfahrer vorausgesetzt, um BVG-Bussen an geeigneten Stellen das Überholen zu ermöglichen. Eine gewisse Diskrepanz zwischen Artikel und ADFC-Pressemitteilung bleibt dennoch bestehen.

Noch irritierender ist jedoch die Überschrift des selben Artikels in der Berliner Zeitung online:

Radler stören auf den Busspuren

[via]

Frau Nikutta legte hingegen in dem Interview, in dem die Busspuren nur eine untergeordnete Rolle spielten, den Fokus auf das Hauptproblem der zugeparkten Busspuren:

Unser größtes Problem sind aber nach wie vor zugeparkte Busspuren. Wir leisten uns 21 Busspurbetreuer, um dagegen vorzugehen. Doch sie kämpfen einen Kampf gegen Windmühlen.

[ebenso via]

Es scheint aber zur Zeit wichtiger zu sein, das Thema in den Medien auf das Problem Radverkehr zu bringen. Anders kann man die Wahl der Überschrift nicht verstehen. Oder ist dies nur eine Auswirkung des oft bemühten „Sommerlochs“?

Die Berliner Taxiinnung hat im Mai 2011 eine sehr ausgewogene Stellungnahme zum Nutzungsrecht von Busspuren durch Radfahrer veröffentlicht: Link zum Magazin TAXI Vorfahrt (der Beitrag ist auf Seite 29 zu finden). So etwas liest man dann wieder gern.

P.S.: Dass das Foto nicht Berlin sondern Wiesbaden zeigt, ist mir bewusst. Ein gutes Foto einer Berliner Busspur wäre angenehm – leider liegt mir keins vor. Einsendungen an kontakt (ät) bikeblogger (punkt) de sind jederzeit willkommen!

Update: Vielen Dank an Arne für das Foto! Er versicherte mir übrigens, dass es in Berlin, nämlich an dieser Stelle aufgenommen wurde: Karl-Liebknecht/Ecke Dircksenstraße.

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