1st. Tweed Day Berlin 2011

Vintage, Retro, Cycle Chic, Slow Bycicle Movement: Schlagworte, die eins gemeinsam haben: Abkehr vom schneller – leichter – teurer. Ein Kreislauf, der von der Fahrradindustrie und den etablierten Radmagazinen mehr oder weniger bewusst gefördert wird. Verständlich, dass als Reaktion darauf ein Trend in die entgegengesetzte Richtung entsteht.

Selber hin-und-hergerissen zwischen meiner Vorliebe für grazile, einfache Fahrräder und meinem Wunsch nach technischer Perfektion sehe ich diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. Als eine Facette der Fahrradkultur, die genauso wichtig ist wie Mit-dem-Rad-zur-Arbeit, Fixies, Radrennsport und politisches Engagement in Form von Fahrraddemonstrationen und -sternfahrten. Ich nehme aber auch wahr, dass differenziert wird. Normalradler passen in keine Schublade – und sind somit langweilig, Rennsport wird vielleicht nicht abgelehnt, aber doch irgendwie als nicht passend empfunden. Radsportler nehmen andere Radfahrer widerum nicht ernst – gegrüßt wird nur der Rennradfahrer.

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Wenn man in einer der Fahrrad-Subkulturen auftaucht wird man danach beurteilt, welche Kleidung man trägt, ob bzw. wieviele Tattoos man hat, welches Fahrrad man fährt. Verständlich, aber manchmal sehr unangenehm. Wohl niemand fühlt sich wohl, wenn man den Eindruck hat, nicht wirklich dazu zu gehören.

Wo sind die Radfahrer, die aus den Schubladen herauskommen und zwischen den Subkulturen vermitteln? Der Rennradfahrer, der auch mit dem Hollandrad unterwegs ist? Das Girl, das in einem Cycle Chic-Blog abgebildet wird – und am Wochenende ihre Trainingsrunden mit dem Rennrad dreht? Der Tweedträger, der wochentags in funktionaler Bekleidung als „Commuter“ unterwegs ist? Sicher gibt es sie. Aber sie sind zu oft nicht erkennbar. Leider.

Eine lange Einleitung für ein sehr spezielles Event: den 1st. Tweed Day Berlin 2011. Die Idee kommt – wie so Vieles in der Welt des Radfahrens – aus Großbritannien. Radfahren im Stil der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Fans der Miss-Marple-Filme aus den 60er Jahren haben sicher schnell Bilder von Margaret Rutherford und Stringer Davis vor Augen.

Der Berlin Tweed Day ist eine traditionelle Fahrradtour, ein vergnüglicher Ausflug, eine Demonstration zur Pflege der Fahrradkultur (und ausdrücklich kein sportliches Rennen).
Circa 200 Radfahrer wollen in Tweedkleidung, teilweise auf historischen Fahrrädern, daran erinnern, dass es Zeiten gab, in denen es selbstverständlich war, das Fahrrad als Verkehrsmittel ernst zu nehmen.
Der Tweed Day Cyclist trägt vielleicht Knickerbocker, Fahrrad-Cape, Tweed-Kostüm und oder Schiebermütze – er kommt mit seinem Vintage Bike – oder einfach seinem schönsten Fahrrad – er repräsentiert die Tweed Day Cycle Bohème.

via Der Tweed Day

Regeln

Es gibt ein paar Regeln, die für die Teilnahme am Tweed Day zu beachten sind:

  • Anmeldung erforderlich (Teilnahmeberechtigung durch Erwerb einer Hupe oder einer Schärpe)
  • passende Kleidung (z.B. Tweed) ist erwünscht
  • die Veranstaltung ist eine angemeldete Demonstration
  • jeder Teilnehmer haftet für sich selbst

Termin

September 18th 2011
Meeting Place Gendarmenmarkt Berlin Mitte und at 1 p.m.

Programm

  • Fahrrad-Ausflug durch Berlin
  • Oldtimer Bicycle Show
  • Kundgebung beim Old Fashion Picknick im Park
  • Im Anschluß an die Demonstration „Knees Up“ in Clärchens Ballhaus mit Louise Gold & den Herren Quarz & DJane Swingin´Swanee

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