Unfallforschung der Versicherer: Crashtests zeigen hohe Unfallrisiken durch Elektrofahrräder

Ein Bericht der Unfallforschung der Versicherer (UDV) lässt aufhorchen:

eine Gefahr für den Fahrer selbst, aber auch für andere Verkehrsteilnehmer

Riskante Situationen können dadurch an Ausfahrten und Kreuzungen entstehen.

Unfälle … können für alle Beteiligten mit schweren Verletzungen enden

mehr Tote und Verletzte befürchtet

Was nach einem neuen Killerfahrzeug auf unseren Straßen klingt ist ein nicht sonderlich auffälliges Fortbewegungsmittel: ein Fahrrad mit einem elektrischen Zusatzmotor. Natürlich sind die Zitate etwas willkürlich gewählt und geben nicht exakt den Inhalt der Pressemitteilung wieder. Sie zeigen aber in dieser Zusammenstellung, worum es geht: das Kraftfahrzeug und der Kraftfahrzeugführer als Hauptverursacher der meisten schweren Unfälle auf unseren Straßen soll präventiv entlastet werden. Gleichzeitig soll durch einen Vorschlag, schnelle Pedelecs auf 30 km/h zu begrenzen eine mögliche Quelle von Kosten für die Versicherungswirtschaft ausgeschaltet werden.

Es geht auch darum, Ängste bei möglichen Kunden und bei Politikern durch falsche Aussagen zu schüren, wie das folgende Video zeigt:

In diesem Film wie auch in der Pressemitteilung wird hauptsächlich von schnellen Pedelecs gesprochen, die eine Geschwindigkeit von 45 km/h erreichen können. Dass diese Pedelec-Gattung durch hohe Kaufpreise und der Versicherungspflicht in Deutschland nur ein Nischendasein führen, wird dabei verschwiegen. Die allermeisten der rund 300.000 Pedelecs auf unseren Straßen erreichen motorunterstützt gerade einmal 25 km/h. Eine Geschwindigkeit, die vielen Alltagsradlern nur ein Schulterzucken abnötigt.

Quelle/Source www.flyer.ch | pd-f

Zudem wurden durch den UDV Unfallquellen untersucht, die im tatsächlichen Verkehr einerseits eine untergeordnete Rolle spielen (Berührung unterschiedlich schneller Radfahrer beim Überholen) beziehungsweise durch Umsicht von Kraftfahrzeugführern minimiert werden können (Abbiegeunfälle).

Auch heute schon gibt es unterschiedlich schnelle Verkehrsteilnehmer, Radfahrer wie Kraftfahrer auf unseren Straßen. Dass allein durch die Geschwindigkeitsdifferenz eine größere Gefahr ausgehen soll, ist mir neu. Wäre dies so, müsste konsequenterweise ein generelles Überholverbot, speziell für Fahrzeuge großer Masse (=PKWs und LKWs) verhängt werden.
Als schneller Radfahrer überhole ich häufig langsame Radfahrer. Der Geschwindigkeitsunterschied kann dabei auch ohne Motorunterstützung durchaus 20 km/h betragen – werde ich dadurch zu einer Gefährdung für langsamere Radfahrer?

Abbiegeunfälle sind eine der häufigsten Todesursachen bei Unfällen mit Radfahrerbeteiligung. Dass schnellere Radfahrer eher gefährdet sind, ist nicht auszuschließen. Allerdings dürfen schnelle Pedelecs Radwege nicht nutzen. Somit entfällt die Hauptursache für diese Unfallart. Dass sich Autofahrer auf schnellere Radfahrer einstellen müssen ist richtig, aber nicht die „Schuld“ der Pedelecfahrer. Ebenso müssen sich Autofahrer auf Mopedfahrer einstellen und ihnen die ihnen zustehende Vorfahrt einräumen. Ein Lernprozess, der durchaus möglich sein sollte.

Interessant ist, dass der UDV unter anderem fordert:

Die Pedelec-Konstruktionen müssen stabiler werden.

Quelle/Source www.pd-f.de / messe-friedrichshafen

Wodurch stabilere Fahrradrahmen den Fahrer schneller Fahrräder bei Unfällen schützen könnten ist mir nicht ersichtlich. An Überrollbügel wird der UDV sicher nicht gedacht haben? Dass Bremsen und Gabeln schneller Pedelecs der Geschwindigkeit angemessen konstruiert werden müssen ist aus meiner Sicht selbstverständlich und auch aufgrund der in Deutschland geltenden Produkthaftungspflicht eine Aufgabe, der sich die Hersteller bereits stellen. Die wenigen schnellen Pedelecs, die ich bisher sehen bzw. fahren konnte besaßen allesamt stabile Rahmenkonstruktionen mit Bremsen, die eine schnelle Verzögerung auch bei höheren Geschwindigkeiten ermöglichen.

Neben dieser Sammlung von Fehlinterpretationen, Halbwahrheiten und Auslassungen versteigt sich die Pressemeldung zu der Aussage, dass

sich die meisten dieser „Schnell-Radler“ illegal auf den Straßen

bewegen, da die Räder in der Regel nicht wie Kleinkrafträder ausgestattet wären. Richtig ist, dass noch nicht alle Details in Bezug auf schnelle Pedelecs rechtlich geklärt sind. Allgemein wird jedoch davon ausgegangen, dass die in Deutschland als schnelles Pedelec vertriebenen Räder den gültigen (EU-)Normen entsprechen.

Eine sehr ausführliche Stellungnahme liefert der Pressedienst Fahrrad.

Weitere Informationen zum Thema Pedelec sind auf der Seite e-Rad Hafen sowie beim ADFC zu erhalten.

7 Gedanken zu “Unfallforschung der Versicherer: Crashtests zeigen hohe Unfallrisiken durch Elektrofahrräder

  1. Zudem wurden durch den UDV Unfallquellen untersucht, die im tatsächlichen Verkehr einerseits eine untergeordnete Rolle spielen (Berührung unterschiedlich schneller Radfahrer beim Überholen) beziehungsweise durch Umsicht von Kraftfahrzeugführern minimiert werden können (Abbiegeunfälle).

    Das sehe ich etwas anders. Überholvorgänge zwischen Radfahrern könnten nämlich tatsächlich ein Problem werden, wenn sie auf den meist schmalen Radwegen unterwegs sind und sich die Geschwindigkeitsverteilung unter den Radfahrern weiter spreizt. Aber du hast natürlich recht: Momentan sind solche Unfälle vergleichsweise selten.

    Was die Abbiegeunfälle angeht, möchte ich vorsichtig widersprechen. Es ist das Prinzip Radweg, das für Probleme und Unfallgefahren sorgt. Kraftfahrzeugführer können gar nicht so viel Umsicht aufbringen, um die komplexen Verkehrssituationen überblicken zu können, die durch Radwege an Kreuzungen entstehen. Insofern müsste die Forderung eher lauten: Radfahrer auf die Fahrbahn. Da werden sie nämlich wahrgenommen. Aber das schrubst du ja.

    Wodurch stabilere Fahrradrahmen den Fahrer schneller Fahrräder bei Unfällen schützen könnten ist mir nicht ersichtlich.

    Stabilere Rahmen „flattern“ gar nicht oder erst weit jenseits der 45 km/h. Außerdem gehen sie später kaputt. Beides könnte Stürze vermeiden.

    Beim Rest stimme ich dir zu, wobei mir dieser Pedelec- und E-Bike-Kram etwas auf die Nerven geht. Ein gesunder Mensch braucht auf dem Fahrrad keine wartungsintensive und teure Motorunterstützung, um flott voran zu kommen.

    • Meine Kommentare beziehen sich hauptsächlich auf schnelle Pedelecs (S-Pedelecs mit max. 45 km/h). Und für diese sind Radwege irrelevant – dürfen Sie diese doch gar nicht nutzen.
      In Bezug auf den Sicherheitsgewinn durch stabilere Fahrradrahmen hast du natürlich grundsätzlich Recht. Aber im Video wird durch den letzten Satz suggeriert, dass durch stabilere Fahrräder Unfallfolgen verringert werden könnten. Das ist natürlich Unsinn.

  2. Aktuell teste ich ein „langsames“ Pedelec von Raleigh und muss sagen, dass hier nicht die Unterstützung in der Geschwindigkeit meine Begeisterung weckt, sondern, dass ich auch lange Strecken und Steigungen bewältige und im Anschluss trotzdem nicht verschwitzt an meinem Arbeitsplatz ankomme.
    Von der flexibleren, schöneren Wegstrecke mal ganz abgesehen.

  3. naja, ob wie bei diesem ZEG modell ein Damenrad sein muss, oder obs nicht eins mit klassischem Diamantrahmen tut…
    Desweiteren, je starrer der Rahmen ist, desto weniger Verzoegerungsenergie nimmt er auf, ist also potentiell auch Kontraproduktiv.

  4. Also mal unabhängig von dem einseitigen Bericht und dem Bezug auf die 45-km/h Räder… Aber diese 25-km/h-Dinger sind mir jetzt schon einige male über den Weg gefahren. Was ich daran kritisch finde ist nicht das gerät an sich, aber wer sich Unfallstatistiken von Radfahrern (ohne Bezug zu E-Bikes) anschaut, dem fällt schon eine gewise Häufung an Senioren auf, deren Beherrschung des Rades (und der Verkehrssituationen) oft deutlich geringer ist als die jüngerer Fahrer. Ohne eine Grundlage, aber da sehe ich die eigentliche Gefahr – denn die sind die hauptsächliche Zielgruppe dieser Geräte.
    Aber bis es da belastbare Zahlen gibt wird es wohl einfach noch eine Weile dauern. Und meien Chancen sind bei einem 25-km/h-Rentner (und selbst bei der 45-km/h-Variante) immernoch besser, als wenn der gleiche Rentner im Auto sitzt 🙂

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