Fahrradfrühling – auch in der Berliner Zeitung

Die Berliner Zeitung widmet heute die erste Seite des Lokalteils den Radfahrern. Und den Problemen, die den Radverkehr betreffen – oder die der Radverkehr erzeugt.

Quelle/Source (www.flyer.ch | pd-f)

Die Beiträge und Interviews sind recht ausgewogen, allerdings werden manche Aussagen unkritisch stehen gelassen. Beispielsweise, dass auf bestimmten Strecken der Stadt Radverkehrsanlagen geschaffen werden. Leider gehören dazu immer noch Radwege auf Bürgersteigen, selbst wenn dies nicht erforderlich ist. So ist die Wollankstraße (in Höhe der Florastraße) ein Musterbeispiel für eine nicht durchdachte Radverkehrsplanung. Erst Radstreifen, dann Radweg, winklig um Parkplätze und Bäume herumgeführt… das geht auch anders und vor allem besser.

Dass Umfragen unter Radfahrern häufig als Ergebnis haben: „es fehlt hier ein Radweg“, ist nicht neu. Dennoch ist dies ärgerlich, wenn man in Betracht zieht, dass selbst der Gesetzgeber den Radweg nicht mehr als sicherste und beste Möglichkeit der Radverkehrsführung ansieht. Dass viele Radfahrer weiterhin auf Radwegen (und Bürgersteigen) fahren, ist Tatsache. Gefördert sollte dies aber nicht mehr werden. Sarah Stark, Berliner ADFC-Vorsitzende, beschreibt im Interview auf Seite 17 der Berliner Zeitung, worum es geht: „Weil immer mehr Radfahrer unterwegs sind, schenken die Autofahrer ihnen mehr Aufmerksamkeit.“ Die Zahl der Unfälle und der Verunglückten ist zurückgegangen. Wenn Radfahrer aber nur auf den Bürgersteigen unterwegs sind, sind sie nicht mehr im Blickfeld der Autofahrer – und begeben sich dadurch an Kreuzungen und Einmündungen erneut in Gefahr.

Der Fahrradfrühling kann kommen: massenhaft, aber nach Möglichkeit im Verkehr, nicht daneben!

Links:

Vom Erfolg überrollt (Titelstory Berliner Lokalteil)

Auch Radler haben Parkplatzprobleme (Umfrage)

„Wir sind keinen Deut besser“ (Interview mit Sarah Stark)

8 Gedanken zu “Fahrradfrühling – auch in der Berliner Zeitung

  1. Also ich kann bestätigen das viele Radwege in Berlin eher von nachteil für uns Radfahrer sind, so das ich meisst auf den vielbefahrenen Straßen fahre. Nicht nur das die Radwege schlecht angelegt sind, hinzu kommt die mangelnde Pflege (Wurzeln drücken den Radweg hoch, Glas auf dem Radwegen, Schlaglöcher) und das ständige abbremsen durch hindernisse wie parkende Autos und unachtsame Fußgänger. Meiner Meinung nach sollte das gesamte Konzept der Radwege überdacht werden und nicht nur einzelne Abschnitte auf die Straße (Radstreifen) verlegt werden. Klar ist das schwierig weil teils der Platz fehlt aber auf langer sicht unabdingbar.

  2. Ich kann den Standpunkt des ADFC nachvollziehen aber nicht billigen. Normalerweise würde ich mich nicht äussern – aber sowas wie „Fahrräder sind auch nur Autos“ (http://www.bi-nett.de/) führt in die falsche Richtung. Nur eine vernünftige Fahrradinfrastruktur, die vom Autoverkehr auch baulich getrennt ist, wird „Normalbürger“, die heute einfach Angst vorm Fahrradfahren (wegen des Autoverkehrs) haben, aufs Rad bringen.

    Abbiegeunfälle sind verhinderbar. Insbesondere auch durch bauliche Vorkehrungen (engere Kurvenradien, aufgepflasterter Fuß- und Radweg, etc.). Das würde natürlich den politischen Willen erfordern, Radfahrern und Fußgängern in der Stadt Vorrang zu gewähren. Die Niederlande und Kopenhagen machen es vor.

    In den Zeiten knapper Kassen (insbesondere, wenn es um die Reparatur von Strassen geht, die durch zwei harte Winter stark gelitten haben) in Kombination mit hohen Spritpreisen waren die Chancen nie besser, „Normalbürger“ aufs Rad zu bringen.

  3. baulich vom Autoverkehr getrennte Radwege sind insbesondere in Städten eine Illusion. An allen Ausfahrten/Einmündungen/Kreuzungen ist ein Trennung quasi nicht möglich. Dort allerdings führt die bauliche Trennung zu dem typischen „Übersehen“ und schweren Unfällen. Radwege sind Irrwege! Man sollte lieber Autoverkehr von Menschen trennen, durch autofreie Zonen. Sämtliche Studien sprechen gegen baulich getrennte Radwege, es gibt keine guten Radwege, nur weniger schlechte. Wenn unbedingt Gefahrquellen gebaut werden sollen, dann bitte zwingt die Menschen nicht dazu, diese zu benutzen.

    Abbiegeunfälle sind verhinderbar, wenn Autos nicht neben Radfahrern fahren, das ist mit Radwegen aber immer der Fall. Geachtet wird nur auf die eigene Spur, die Radspur/der Radweg wird ignoriert, dieses Fehlverhalten kann man nicht ändern. Es gibt keine Studie, die eine höhere Sicherheit von einem Radweg an einer Kreuzung belegt, als eine Straßennutzung.

    • > baulich vom Autoverkehr getrennte Radwege sind insbesondere in
      > Städten eine Illusion

      Dann sind die Holländer gute Illusionisten.

      > Dort allerdings führt die bauliche Trennung zu dem
      > typischen „Übersehen“ und schweren Unfällen. Radwege sind Irrwege!

      Guck‘ Dir die Radwege in Kopenhagen an. Sie verlaufen parallel zur Fahrbahn und sind trotzdem baulich getrennt. Bauliche Vorkehrungen und Ampelregelungen können das Risiko weiter minimieren.

      Ich rede hier nicht von den Radwegen, die sich seit den 70er Jahren in deutschen Städten halten und immer weiter verfallen.

      Ich möchte gern mal meinen kleinen Cousin sehen, wie er nach dem Motto „Fahrräder sind auch nur Autos“ von einem Heizöllaster mit 30cm Seitenabstand überholt wird. Der (und seine Mutter) fahren dann sicher nicht mehr auf der Strasse.

      Da auf der Strasse de facto das Gesetz des Stärkeren gilt, müssen eben die Schwächsten dran glauben … damit bleibt alles wie es ist.

      • Ich habe selber eine Tochter, die ich auch mit 12Jahren auf Hauptstraßen noch auf dem Gehweg fahren lasse. Dies heißt aber auch: an jeder Gefahrenstelle (Kreuzung, Einmündung) anhalten. Ich selber fahre nahezu immer auf der Straße, da ich bei zügiger bis schneller Fahrt hier sichtbarer, einschätzbarer und sicherer fahre.
        Das auf Kinder zu übertragen ist genausowenig sinnvoll wie dänische oder holländische Verhältnisse auf die Verhältnisse in deutschen Großstädten.

      • Dann hätte ich wohl klarer formulieren sollen: „typische deutsche straßenbegleitende Hochbordradwege“

        1. Pflicht:
        Was wir jetzt haben ist großer Mist, auf den ich nicht gezwungen werden möchte. Ich möchte aber auch niemanden auf die Straße zwingen. Wer lieber unbequem und unsicher fährt, weil er sich sicherer fühlt, darf dies gerne tun.

        2. „gute Radwege“
        Hab ich (fast) noch nie gesehen. Denkbar wären in den bestehenden Innenstädten m.E. autofreie Straßen und komplett eigene Spuren (mindestens 2,5 bzw. 4 m bei Gegenverkehr), dass würde auch das Bedürfnis der Menschen nach subjektiver Sicherheit befriedigen. Bei der hiesigen Autolobby ist eine flächendeckende Umsetzung momentan jedoch nur schöne Illusion. Alle neu gebauten innerstädtischen Radwege, die ich kenne, sind nicht „gut“, mindestens behindernd (Sicherheit durch Rot für Radfahrer), meist aber mit den üblichen Sicherheitsproblemen.

        Das man das Risiko weiter minimieren könnte, ist kein Argument gegen die von vornherein objektiv sichere Straßenbenutzung.

        3. Kinder
        hatte ich nicht erwähnt. Man kann die natürlich zu ängstlichen Gehwegradlern erziehen, die an jeder Einmündung anhalten müssten (@bikebloggerberlin: sorry (-;), wozu man bisher wohl keine Alternative hat. Das gilt auch für die bisherigen Radwege.

        Oder man macht langfristig komplette Fahrbahnen frei für Radfahrer. In welchen deutschen Städten ist denn der Platz, um „gute“ baulich getrennte Radwege zu bauen? Sollte man hierfür bisherige Autospuren heranziehen, wozu dann neu bauen, was schon da ist?

        • Zum Thema Kinder: Das muss jeder selbst entscheiden. Ich weiß selber, wie wenig Spielraum zu fahrenden LKW oft bleibt. Ich kann auch dann die Spur halten. Kinder lassen sich leicht ablenken und fahren schon mal nicht genau in der Spur. Da wäre „Mut“ tödlich.

  4. Ich kann nur sagen, dass sich daran auch nichts ändern wird, wenn wir keinen fundamentalen Umschwung in der Verkehrsplanung und -politik herbeiführen.

    Auch in deutschen Großstädten leben mehr Menschen, die nicht über einen PKW verfügen als welche, die ein Auto haben. Warum soll es weiterhin so sein, dass die Mehrheit einer Minderheit unverhältnismässig mehr Raum im Strassenverkehr zugesteht? Warum müssen Haushalte ihr Zweit- und Drittauto kostenlos parken dürfen?

    Ich fahre seit 22 Jahren Fahrrad und hatte bisher eigentlich die gleiche Einstellung, die hier vertreten wird. Die ist aber offensichtlich i. W. egoistisch und hat in diesen 22 Jahren nicht dazu geführt, dass eine erstzunehmende Steigerung von Fahrradfahrten stattgefunden hätte. Stattdessen wird mit Helmen und Warnwestern „aufgerüstet“, um „sichtbarer“ und „sicherer“ zu sein.

    Denjenigen, die schon aus Angst vor dem Autoverkehr auf dem Gehsteig fahren, vermittelt dies aber das genaue Gegenteil von Sicherheit.

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