ADFC auf bürokratischem Holzweg?

Letzter Tweed des ADFC :

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Ministerium prüft Zulassungsvorschriften für Fahrräder: ADFC warnt vor Freigabe von Batteriebeleuchtung http://bit.ly/fIxLCb

Dies irritierte mich. Auf der Website des ADFC wird dies ausführlich erläutert:

Ministerium prüft Zulassungsvorschriften für Fahrräder

Das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) plant, die Beleuchtungsvorschriften für Fahrräder zu ändern. Nach ADFC-Informationen zielten die Änderungen auf eine Freigabe der Batteriebeleuchtung ab, angeregt durch Eingaben von Bürgern an das Ministerium. Der ADFC hatte davon bereits im November 2010 erfahren. In einem Schreiben an den Parlamentarischen Staatssekretär im BMVBS, Jan Mücke MdB, im Ministerium für den Radverkehr zuständig, warnte ADFC-Bundesgeschäftsführer Horst Hahn-Klöckner, dass eine Freigabe der Batteriebeleuchtung für sämtliche Fahrräder eine erheblichen sicherheitstechnischen Rückschritt darstelle: „Gerade bei der Fahrradbeleuchtung sind große technische Fortschritte zu verzeichnen. Leichtgängige Nabendynamos, doppelte Verkabelung mit kontaktsicheren Steckern und LED-Rückleuchten mit Standlichtfunktion sind zur Standardausstattung neuer Fahrräder geworden. Die Betriebssicherheit kann also kein Grund mehr sein, auf die Freigabe von Akkuleuchten zu drängen.“

via ADFC

Irgendwie einleuchtend. Nur: wie praxisgerecht ist dies?

Ein paar Gedanken hierzu:

  • Viele Radfahrer fahren ohne Beleuchtung. Dies wird auch durch eine Gesetzesnovelle kaum geändert. Auch der technische Fortschritt in diesem Bereich führte nicht zu einer  Akzeptanz bei allen Radfahrern.
  • Akku- oder Batteriebeleuchtung ist inzwischen weit verbreitet. Gerade bei alten Rädern, bei denen eine Umrüstung mit erheblichen Kosten verbunden wäre, ist diese Lösung pragmatisch. Die geplante Novelle würde den Status Quo legalisieren.
  • Wenn die Dynamobeleuchtung trotz der inzwischen ordentlichen Technik versagt, ist die Akkubeleuchtung eine – im Moment nicht gesetzeskonforme – Notlösung. Die StVZO-Novelle würde diese legalisieren.
  • Die Gewichtsbeschränkung von 11 kg für die Legalisierung von Batteriebeleuchtung bei Rennrädern wurde schon in der Vergangenheit vielfach als rein formal und nicht praxisgerecht kritisiert (Wie definiert man „Rennrad“? Sind „Singlespeeder“ mit geradem Lenker „Rennräder“? Was ist mit Rennrädern mit Gepäckträgern und Gepäck – unter 11 kg bzw über 11 kg?). Nun wird dies vom ADFC ebenso formalistisch auf Mountainbikes unter 13 kg ausgedehnt:

Gegen eine generelle Freigabe von Akkulicht für Mountainbikes bis 13 Kilogramm Gewicht hat der ADFC hingegen keine Einwände. Hahn-Klöckner: „Solche Sportgeräte werden in der Regel tagsüber gefahren. Radsportlern ist zuzutrauen, dass sie Batterieleuchten auf ihren Ausfahrten bei Bedarf verantwortungsbewusst einsetzen.“

  • Mountainbikes über 13 kg (z.B. ältere „Fullys“, Räder mit großen Rahmenhöhen etc.) sind also keine Sportgeräte? Wie sieht es mit Trekkingbikes aus, die sportlich genutzt werden? Diese sind häufig etwas schwerer als reine MTBs oder Rennräder. Dies gilt auch für Liegeräder.
  • Eine liberalisierte Gesetzgebung in Bezug auf die Fahrradbeleuchtung würde den Wettbewerb ankurbeln und die Technik und Akkustandzeit gerade von preiswerter Akkubeleuchtung verbessern.

Praxisgerecht wäre es, wenn der Gesetzgeber die Radfahrer, die sich selber durch eine (wie auch immer geartete, einigermaßen helle Beleuchtung) schützen, unterstützt und die Verwendung von Akkubeleuchtung, die gewisse Mindeststandards wie z.B. Blendfreiheit einhält, erlaubt. Nur so erhöht man die Akzeptanz von Beleuchtung am Fahrrad.

Die „Warnung“ des ADFC zeugt hingegen von praxisfernem, bürokratischem Wunschdenken, das bei Berücksichtigung durch den Gesetzgeber keine Auswirkungen auf das Verhalten von Radfahrern auf unseren Straßen haben wird.

10 Gedanken zu “ADFC auf bürokratischem Holzweg?

  1. „Irgendwie einleuchtend.“

    Auch bei mehrmaligem Lesen sehe ich nicht, wo das irgendwie einleuchtend wäre.

    Wichtig ist, dass Licht da ist, warum sollte vorgeschrieben sein, wie das Licht erzeugt wird?

    Ich will einfach keinen Dynamo. Warum sollte ich dann?

    • Also ich finde einen Nabendynamo nicht schlecht… dann muss ich keine Batterien wechseln. Nichtsdestoweniger sollte man StVZO so einfach wie möglich halten und die Energiequelle für die Beleuchtung nicht(!) vorschreiben. Es sollte auch die Ausnahmeregelung reintun, dass tagsüber keine Lampe montiert sein muss. Man darf Korinthenkackern in den Roben keine Chance bieten, jemanden Teilschuld zuzusprechen, weil er keine Beleuchtung hatte, bei einem Verkehrsunfall, der tagsüber geschehen ist, weil ein Autofahrer ihm die Vorfahrt nahm.

      Doppelte Verkabelung halte ich auch für vernünftig. Der Gesetzgeber sollte sicherstellen, dass der Radkäufer, der sich im Bewusstsein ein StVZO-konformes Rad kauft, auch ein solches bekommt. Demzufolge gehören Seitenläufer bei Neurädern komplett verboten, es sei denn, es gibt wetterfeste. Seitenläufer schaffen nur die Illusion, dass man jederzeit auf eine Beleuchtung zurückgreifen kann. Aber praktisch taugt die nichts, so wie bei meinem ehemaligen Stadtrad (wurde gestohlen): Wenn ich im Winter zur Arbeit fuhr, rutschte der Dynamo durch. Na prima.

  2. Pingback: ADFC, diese ... /// Rauhe Sitten

  3. Nabendynamo – been there done that. Solange man nicht 200e fuer nen SON ausgibt sind die dinger mit nichten leicht oder leichtgaengig. Nachdem mein Trekkingrad ueberhaupt nicht mehr ausm quark kam, hab ich in den sauren Apfel gebissen und den kram nach 2 monaten eingemottet.

    imho sollte
    – die Beleuchtungsstaerke
    – bei Ruecklichtern evtl. noch die Leuchtbreite
    – Batterie ladestandsanzeige
    vorgegeben werden, und nicht so nen bullshit wie „muss 6v sein“ damit man nur legale Ruecklichter kaufen kann wo nen Satz batterien 10 euro kostet;

    Evtl. bei den Frontleuchten eine mindesthelligkeit fuer „Sportgeraete“ , High performance Gedoens ala Liegeraeder, und eine fuer „Alltagsradler“ empfehlen und gut is.

    Nach welcher Empfehlung man sich richtet sollte sich eher nach der vom Radler erreichten Durchschnittsgeschwindigkeit richten, nicht nach dem Gewicht des Rades.

  4. „Eine liberalisierte Gesetzgebung in Bezug auf die Fahrradbeleuchtung würde den Wettbewerb ankurbeln und die Technik und Akkustandzeit gerade von preiswerter Akkubeleuchtung verbessern.“

    Obiger Behauptung mangelt es an Begründung. Ganz im Gegenteil ist im langjährigen internationalen Marktvergleich zu beobachten, dass undefiniert „liberale“ Vorschriften in Bezug auf Abblendlicht am Fahrrad gerade bei billiger Akkubeleuchtung eben nicht zu den aufgeführten positiven Folgen führten, sondern dass die Qualität der hierzulande erhältlichen Beleuchtung mit den Anforderungen in den deutschen Regelungen ansteigt.

    Wie bei Kleinkrafträdern ist jedoch die Einführung einer Fernlichtoption überfällig, was leider dem Angebot des Arbeitgebers und der Meinung eines nicht unwesentlichen Mitglieds des Fachausschuss Technik im adfc widerspricht.

    • Mit „liberalisiert“ war die Zulassung von Akkubeleuchtung gemeint, nicht die Verringerung der Anforderungen an die einzuhaltenden Werte wie Lichtstärke etc.

  5. Ich sehe am liebsten Fahrräder mit Beleuchtung im Berliner Verkehr bei Dunkelheit.
    Gesehen werden ist lebenswichtig!

    Mir ist egal, wie das Licht erzeugt wird. Wenns nicht funktioniert, muß ich halt schieben…egal ob Batterie oder Dynamo betrieben.

  6. Pingback: Fahrradbeleuchtung – Abstimmung mit den Pedalen - Frankfurter Fahrradsommer – Radfahren und Fahrradkultur in Frankfurt am Main

  7. Was ist mit dem Fortschritt bei Batteriebeleuchtung? Wird irgendwie vom ADFC nicht berücksichtigt was mich wundert. Denn auch hierbei sind große Fortschritte in der Leuchtdauer und Helligkeit (Lux, Lumen) zu verzeichnen. Auch werden die Batteriebeleuchtungen immer praktischer (z.B. Aufladen über USB und weitere).

  8. Hochwertige Batteriebeleuchtungen haben die Leistungen der Dynamo betriebenen längst übertrumpft und das zu einem Bruchteil der Kosten und sogar mit StVZO-Zulasung (z.B. Pillips BikeLight).

    Batteriebeleuchtungen sollen einen „sicherheitstechnischen Rückschritt“ darstellen?

    Meine gegenteilige Erfahrungen sind:
    -Auch „doppelte Verkabelung“ kann reißen!
    -Auch die „kontaktsicheren Stecker“ korrodieren!
    -Auch die „Standlichtfunktion“ kann ausfallen!
    -Auch habe ich noch keine „leichtgängige Nabendynamos“ im unteren und
    mittlerem Preissegment gesehen!

    Gerade als Alltags-Radler hat die Batteriebeleuchtung große Vorteile:
    -Wenn man auf den Ladezustand achtet, hat man eine zuverlässige
    Beleuchtung!
    -Geringere Fehleranfälligkeit durch kompakte Bauweise!
    -Sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis!
    -Viel leichter als eine nabendynamobetriebene Beleuchtung!
    -Keine Antriebsverluste durch den Dynamo!
    -Diebstahlsicherheit durch das leichte An- und Abbauen
    (wenn man das Rad abstellt nimmt man die Beleuchtung einfach mit)!

    Mag sein, das eine dynamobetriebene Beleuchtung unter bestimmten Umständen Vorteile hat aber diese Entscheidung sollte jeder (ohne in die Illegalität gedrängt zu werden) für sich selbst treffen können.

    Liebe Damen und Herren vom ADFC, überdenken sie bitte nochmal Ihre Aussage!
    Behandeln Sie bitte alle Radfahrer gleich (keine Sonderregelung für Rennrad- und MTB-Fahrer) und geben sie der Batteriebeleuchtung eine Chance!

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