Cannondale onBIKE

Bike Commuting (auf deutsch: „Mit dem Rad zur Arbeit fahren“) ist nicht nur in Deutschland ein Thema. Auch in den USA ist dies zu einem Schlagwort geworden, das einen festen Platz neben „Trekking“, „Racebiking“, „Mountainbiking“ einnimmt. Wo die Welle begonnen hat und wer Erfinder bzw. Nachzügler ist spielt dabei keine Rolle.

Spannend ist zweierlei: einerseits, wie die Entwicklung weitergeht (was das Ausmaß dieser „Mode“ betrifft und wie der Markt auf die steigende Nachfrage reagiert)  und andererseits, wie lange die deutschen Radfahrer brauchen, um den Begriff „Communting“ zu adaptieren. Vielleicht sollten wir dem zuvorkommen und einen Wettbewerb ins Leben rufen, um den „coolsten“ deutschen Begriff dafür zu (er)finden?

Die Firma Cannondale hat jedenfalls den Trend erkannt und bietet mit „Urban“ hierfür eine spezielle Produktlinie an. Das wohl interessanteste Rad dieser Linie ist das onBIKE. In einer limitierten Auflage von weltweit 250 Exemplaren wechselt dieses Rad für einen Preis jenseits der 4.000 €-Grenze über den Ladentisch.

© Matthew Cole http://www.bikeradar.com/

Für Radfahrer, die morgens auf ein Fahrrad steigen müssen, das auch ohne viel Wartung funktioniert, ist das onBIKE eine Offenbarung: Witterungsunabhängigkeit ist das Zauberwort. Scheibenbremsen, denen Regen und Schnee nicht viel anhaben können, Kabel, die komplett im Rahmen verlegt sind und ein gekapselter Antrieb sind die Mittel, um diesen Anspruch erfüllen zu können. Hollandradfahrer und Besitzer des „Chaingliders“ kennen das Prinzip des gekapselten Antriebs. Die Kette läuft komplett geschützt in einem geschlossenen Kasten. So der Idealfall.

Cannondale führt dies konsequent weiter. Der Kettenschutz ist beim onBIKE kein Zubehörteil, das schleifen, klappern oder abfallen kann, sondern Teil des Rahmens. SICC nennt dies die Werbeabteilung: „System Integrated Chain Case Technology“ oder in deutsch „System Integrierte Kettenführung“. Auch die Schaltung ist integriert, eingesetzt wird eine 9fach-Nabenschaltung von SRAM. Das i-Tüpfelchen ist die einseitige Strebe.

© Matthew Cole http://www.bikeradar.com/

Laut Cannondale-Prospekt handelt es sich um die „weltweit erste einseitige Nabenschaltung an einem Serienfahrrad“.

© Matthew Cole

Auch das Vorderrad ist als einarmiges System ausgelegt, natürlich mit der firmeneigenen Federung.

Zwischen-Fazit: Technisch bestechend, optisch sehr faszinierend.

Wie sieht es nun mit der Alltagstauglichkeit aus? Zur „Fahrkultur“ und der Tauglichkeit des Antriebes des onBIKE kann ich leider nichts schreiben, hier erwarte ich mit Spannung einen Artikel der britischen Kollegen von bikeradar.com. Die Ausstattung indes lässt sich auch vom Schreibtisch aus beurteilen.

© Matthew Cole

Die verbauten Teile wirken harmonisch aufeinander abgestimmt. Die Schaltung hat einen für „Commuter“ schon fast übertrieben großen Übersetzungsbereich. Der Radfahrer kann sich jedoch über eine recht feine Abstufung freuen. Ob für dieses Konzept nicht die Nuvinci 360N-Nabe besser geeignet wäre kann nur gemutmaßt werden.

Cannondale muss sich jedoch fragen, was ein gekapselter Antrieb nützt, wenn der Radfahrer völlig ungeschützt bleibt. Ungeschützt übrigens im doppelten Sinne: es gibt keine Schutzbleche und es gibt keine Lichtanlage. Eine Hightech-Akkubeleuchtung lässt sich nachrüsten, auch wenn es nicht StVZO-konform ist. Schutzbleche sind jedoch nicht montierbar. Zu uncool? Zur Vorderradfederung hätte ich die Option einer gefederten Sattelstütze erwartet. Entweder-oder. Muss erwähnt werden, dass ein Gepäckträger ebenfalls nicht vorgesehen ist?

Fazit: Wenn sich das Rad so fährt, wie es aussieht, dann wäre es mein Favorit für den Weg zur Arbeit. Bei schönem Wetter. Im Sommer. Dass ich mein Gepäck dabei auf dem Rücken tragen muss, würde ich dafür noch hinnehmen.

Thanks to Matthew from bikeradar.com for the kind permission to publish the onBIKE-photos!

Ein tolles Konzept, das sicher noch ausbaufähig ist

glaubt Ihr / Euer BikeBlogger

Ein Gedanke zu “Cannondale onBIKE

  1. Auch die Zeitschrift Trekkingbike ist neugierig geworden: unter „Pin-Up: Rad des Monats“ ist ein Artikel zum onBIKE in der aktuellen Printausgabe nachzulesen.

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