Kampf um eine Radspur

im New Yorker Stadtteil Brooklyn.

Die Berliner Zeitung berichtete in Ihrer Ausgabe vom 12.04.2011 von einem juristischen Vorfall der besonderen Art:

Neben der Spur

von Sebastian Moll

New York – Daniel Kummer bittet jetzt schon zum dritten Mal um Ruhe im alten Gerichtssaal des 78sten Polizeireviers von Brooklyn und jedes Mal wird seine Stimme ein wenig lauter. Doch es strömen noch immer Leute vom Gang in den dringend renovierungsbedürftigen Raum mit seinen vergilbten Wänden, abgewetzten Bänken und der schmuddeligen amerikanischen Fahne, die schlaff von einem Mast in der Ecke hängt.

Heute jedoch scheint die ganze Stadt hier zu sein, inklusive der Reporter und Fotografen ihrer drei Tageszeitungen. Dabei ist der Haupttagesordnungspunkt der Sitzung auch nicht staatstragender als die Dinge, mit denen sich Kummer sonst so beschäftigt. Es geht um einen Fahrradweg, nicht mehr und nicht weniger.

via Berliner Zeitung

Anders als in der Berliner Kastanienallee handelt es hier aber nicht um eine Straße, in der die Anlage einer Radverkehrsführung zu Lasten von Parkplätzen geht. Ein Vergleich vorher/nachher macht es anschaulich:

vorher

[googlemaps http://maps.google.com/maps?q=40.670842,-73.971899&num=1&sll=40.671158,-73.972063&sspn=0.021971,0.038581&ie=UTF8&layer=c&cbll=40.671041,-73.971458&panoid=h2ADXFNz1la6hwqIQrwNjA&cbp=11,211.93,,0,-7.75&source=embed&ll=40.665226,-73.971462&spn=0.020443,0.038624&z=14&output=svembed&w=450&h=314]

Anm.: Zur Zeit zeigen die Bilder auf Street View noch den “ursprünglichen” Zustand. Nach einem erneuten Street View-Durchlauf werden natürlich neuere Bilder mit Radweg zu sehen sein.

nachher:

© Jim.henderson via Wikimedia Commons

Sehr schön ist dies auch in einem Film auf Streetfilms.org zu sehen:

[vimeo 22214720 583 328]

Aus der Sicht des Berliner Beobachters, der dies nur über das Internet sehen kann ist die Aufregung der Anwohner nicht nachvollziehbar. Sollte es wirklich gefährlicher sein, einen Radweg zu Fuß zu kreuzen als eine Straße mit PKW-Verkehr? Oder ist dieser Streit tatsächlich nur ein Symbol für das Unverständnis für eine Kulturrevolution, die auf dem Fahrrad daherkommt, wie die Berliner Zeitung suggeriert?

Manchmal kann sogar die USA noch von Europa lernen, wie mir scheint.

Weitere Informationen sind über die Organisatoren des Protestes pro Radweg weridethelanes.com oder über den Blog BikeSnobNYC zu erhalten.

Ein Gedanke zu “Kampf um eine Radspur

  1. manchmal ?? nun was den radverkehr angeht sind die USA tatsächich absolutes entwicklungsland. der american Way of Drive ist nunmal so mehrspurig wie die Fahrzeuge die auf ihm unterwegs sind. Das geschilderte Beispiel zeigt aber deutlich, dass gerade ein deutlicher Bewusstseinswandel stattfindet und Worte wie “Sustainment” eingang in den alltäglichen Sprachgebrauch finden. Die hinwendung zum Rad als Verkehrsmittel ist da nur ein kleiner (und begrüßenswerter) Teilaspekt. Hoffen wir mal, dass der Lebensstil einer kleinen urbanen und weißen Minderheit auf mittlere bis lange Sicht ein landesweites Modell wird.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


3 − zwei =

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>